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„Man schreibt den Businessplan für sich selbst“

- Kathrin Schubert berät Existenzgründerinnen und Existenzgründer in Bayern.
Kathrin Schubert ist Romanistin, Literatur- und Medienwissenschaftlerin. Als Buchautorin, Texterin und Lektorin unterstützt sie Existenzgründer und KMUs beim Markteintritt – von der Optimierung des Businessplanes bis hin zu professionellen Texten für Werbung und Websites (hier mehr Infos). Wir sprachen mit der „Wortjongleurin“ über die Sprache im Businessplan.
Viele Existenzgründer kennen die Situation: Man hat eine spannende Geschäftsidee. Aber wenn man vor dem Computer sitzt und die Idee beschreiben will, fehlen einem die Worte. Wie schaffe ich den Einstieg?
Kathrin Schubert: Sortieren Sie Ihre Gedanken, dann kommen die Worte automatisch. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Klarheit über die eigenen Ideen zu verschaffen. Sehr hilfreich ist eine Mind-Map-Software (z. B. Freeplane oder Freemind): Beim Erstellen eines Baumdiagramms werden verschiedene Aspekte des Vorhabens skizziert und gleichzeitig das Profil geschärft. Aus den geordneten Stichwörtern formuliert man zunächst einfach gestrickte Sätze, die im Lauf des Schreibprozesses mit Details verfeinert werden.
Worte begeistern Menschen, Zahlen überzeugen Banker!
Jeder Gründer arbeitet für seinen Businessplan an der Geschäftsidee, recherchiert nach Marktzahlen und möglichen Firmenstandorten. Warum ist es wichtig, auch auf die Sprache und Form im Businessplan zu achten?
Kathrin Schubert: Viele Berater sind sich einig: Gründer müssen für ihre Idee „brennen“ und hundertprozentig dahinterstehen. Man schreibt diesen Plan zuallererst für sich selbst. Nur so kann man immer wieder prüfen, ob man seine Etappenziele erreicht hat und die Strategie neu überdenken. Ich kann jedoch zu Anfang schwer abschätzen, wer meinen Businessplan noch lesen wird. Eine Bank, die mich finanziell unterstützt? Experten, die mich Entscheidungsträgern weiterempfehlen? Stiftungen, die mir ein Stipendium gewähren? Potenzielle Kunden, die im Detail überzeugt werden wollen? Im Textteil des Businessplanes hat man die Chance, sich als hochqualifizierter Unternehmer darzustellen. Worte begeistern Menschen, Zahlen überzeugen Banker! Der Funke muss überspringen, jedes Kapitel mit Leben gefüllt werden – dann gewinnt man auch Skeptiker und Zweifler für eine geniale Geschäftsidee!
Schreibe ich meinen Businessplan in der „Ich-Perspektive“ oder spreche ich in der dritten Person von mir? Welche Vor- und Nachteile hat die jeweilige Perspektive?
Kathrin Schubert: Diese Entscheidung fällt jeder Gründer individuell. Entscheidend ist, wer angesprochen wird. Meines Erachtens kann man für einen Plan, der hauptsächlich für den Eigenbedarf geschrieben wird, die Ich-Perspektive einnehmen. Wenn er der Agentur für Arbeit, potenziellen Geschäftspartnern oder Banken vorgelegt wird, wirkt die dritte Person mitunter professioneller. Wichtig ist, auf Einheitlichkeit zu achten und klar eine Perspektive einzunehmen.
Gründer sind keine Bittsteller, sie werben für eine gute Geschäftsidee.
Für einen Gründerkredit oder den Gründungszuschuss muss man immer einen Businessplan vorlegen. Wie schaffe ich es als Gründer, die Bank oder Arbeitsagentur mit meinem Businessplan zu überzeugen? Welche Tipps haben Sie für die Sprache und Darstellung?
Kathrin Schubert: Selbstverständlich steht eine gute, tragfähige und langfristig lukrative Geschäftsidee im Vordergrund. Doch manche Vorhaben sind erst auf den zweiten Blick erfolgversprechend und brauchen schon im Businessplan eine gute PR. Gründer sind keine Bittsteller, sie werben für eine gute Geschäftsidee. Das selbstbewusst hervorzustellen ist sehr wichtig. Frei nach dem Motto „Ich weiß, wie gut meine Idee ist und ich werde sie verwirklichen. Wenn Ihr mich unterstützt, profitieren auch andere von meinem Erfolg.“ Immerhin planen viele Unternehmer von Anfang an, Personal einzustellen und wirtschaftliche Standorte attraktiver zu machen. Bei allem Optimismus darf man jedoch nicht die Risiko- und die Schwachstellenanalyse vergessen, denn jedes Unternehmen hat auch einen wunden Punkt. Kapitalgeber wollen wissen, ob der Gründer über hinreichende Erfahrungen und Qualifikationen verfügt, um erfolgreich wirtschaften und Zinsen tilgen zu können. Text- und Zahlenteil des Planes müssen also in sich schlüssig sein und überzeugen.
Es gibt auch viele Businessplan-Vorlagen mit Textbausteinen. Was halten Sie als Text-Expertin von solchen Bausteinen?
Kathrin Schubert: Jeder Businessplan ist einzigartig und beruht auf einem individuellen Gedankengerüst. Ein Textcoach hört zu, strukturiert und optimiert den Text, die Handschrift des Urhebers bleibt jedoch klar erkennbar. Mein Anspruch ist es, Gründer auf diesem „schriftlichen Weg“ zu begleiten, bis sie sich hundertprozentig mit ihrem Plan identifizieren. Diesen dynamischen Prozess leistet keine beliebige Vorlage. Um eine erste Idee vom Aufbau eines professionellen Businessplanes zu bekommen und eine Basis für die eigene Arbeit zu finden, empfehle ich Vorlagen, zum Beispiel der IHKs und Gründerzentren für die jeweiligen Branchen.
Vielen Dank für das Interview!
Mehr Informationen zum Thema Businessplan gibt es auch in unserem entsprechenden Kapitel.
Businessplan-Wettbewerb: "Wir sind für alle Branchen offen"

- Sylvia Tiews ist Teamleiterin der Gründungsförderung bei der Wirtschaftsförderung Dortmund und Wettbewerbsleiterin von start2grow.
Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von Businessplan-Wettbewerben. Den Wettbewerb start2grow gibt es schon seit 2001, in diesen Tagen läuft er wieder in die heiße Phase. Ein guter Grund, um ein Interview mit Wettbewerbsleiterin Sylvia Tiews zu führen.
Die Zahl der Existenzgründer sinkt. Das Magazin Impulse titelte bereits "Deutschland - ein Land der Gründungsmuffel". Wie kann das Gründungsklima in Deutschland gefördert werden?
Die EU ist zu dieser Thematik der Meinung, Gründungsthemen sollten bereits in Schulen bearbeitet werden. Das könnte auch meiner Meinung nach eine Möglichkeit sein, unternehmerisches Denken und Handeln zu fördern. Wer frühzeitig lernt, sich zu motivieren, sich für Ideen ein zusetzen, Entscheidungen zu treffen und Menschen zu begeistern, anzuleiten und auszubilden, der wird ggfs. auch eher den Weg in die Selbstständigkeit wählen. Ein anderer Aspekt der Europäischen Union ist der internationale Austausch. Auch hier sehe ich Möglichkeiten - gerade im technologischen Gründungsbereich können Erfahrungen auf internationalem Parkett hilfreich sein und zur Gründung ermutigen. Wichtigster Punkt ist aber wohl, Programme zur finanziellen Förderung von Gründerinnen und Gründern bereit zu stellen.
Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von Gründerwettbewerben. Was zeichnet start2grow besonders aus?
start2grow ist bereits seit 2001 am Markt und hat bisher 30 Wettbewerbe ausgerichtet. Der Kern von start2grow ist das Netzwerk. Über 600 ehrenamtliche Coaches aus allen Bereichen unterstützen die Gründer bei der Erstellung des Businessplans und der Umsetzung ihrer Idee. Wir können auf eine ganze Menge begleiteter Teams und Teilnehmer zurückschauen. Schließlich haben wir über 825 Unternehmen in die Selbstständigkeit begleitet. Daneben haben wir von start2grow unsere Prozesse zur Durchführung von Businessplanwettbewerben zertifizieren lassen. So gewährleiten wir eine stets sehr hohe Qualität und Professionalität.
"Viele Gründer haben keine Management-Erfahrungen"
Bei Ihrem Wettbewerb steht der Businessplan im Mittelpunkt. Was macht - auf den Punkt gebracht - einen richtig guten Businessplan aus?
Der Businessplan ist so kurz wie möglich so lang wie nötig. Er ist auch für branchenfremde Leser - z.B. Investoren, Partner, Kunden - gut verständlich. Er zeigt die Potentiale und Rendite, die in der Gründung liegen und beschreibt intensiv die Alleinstellungsmerkmale. Hat der Businessplan den Leser gepackt und ihn dazu gebracht, mehr über das Team und die Gründung erfahren zu wollen, dann war der Plan richtig gut.
Die Teilnehmer können auch auf ein Coaching-Netzwerk zugreifen. Wie wichtig ist solch eine professionelle Beratung in der Businessplan-Phase und wo gibt es besonderen Beratungsbedarf?
Den Businessplan anhand eines Lehrbuchs zu schreiben ist sicher möglich. Allerdings wird es einfacher und klarer wenn man jemanden an seiner Seite hat, der bereits andere Gründer begleitet hat, der schon etwas Erfahrung in einer Branche hat und der immer wieder auch die Schwächen aufzeigt um die Autoren zur Höchstleistung zu bringen. Allein sieht man oft die Zusammenhänge nicht, verstrickt sich in Details und vergisst wesentliche Punkte. Besonderen Bedarf haben die Gründerinnen und Gründer immer in den Aspekten des Businessplans, der mit ihrer Ausbildung nichts zu tun hatte. Meist eint die Teilnehmer, dass sie wenig Erfahrung in Marketing und Vertrieb haben, dass sie wenig Managementerfahrung haben und - und das ist das wichtigste - dass sie sich noch nie um einen 5-Jahresplan gekümmert haben. Gerade der letzte Aspekt sollte korrekt bearbeitet sein, dafür sind Fachberater immer hilfreich.
"Fachberater sind zum Beispiel wichtig, um einen 5-Jahresplan zu erarbeiten"
Aus welchen Branchen kommen eigentlich Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer, und melden sich bei Ihnen vor allem Jungunternehmer oder auch gestandene Geschäftsleute?
Wir sind offen für alle Branchen, fokussieren zusätzlich auf Technologie. Entsprechend sind auch die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer technologieorientiert. Sie dürfen teilnehmen, wenn ihre Gründung nicht vor dem Datum der Auftaktveranstaltung eingetragen wurde. Gestandene Geschäftsleute aus dem Angestelltenverhältnis nehmen durchaus auch oft teil, weil sie sich wünschen, erstmals selbstständig zu arbeiten, Geschäftsführer aus Unternehmen nehmen auch ab und zu teil, weil sie z.B. eine Ausgründung realisieren möchten. Beide Gruppen sind bei uns jederzeit willkommen.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wo sehen Sie den Wettbewerb in zehn Jahren? Nach 20 Jahren am Markt hat start2grow eine besonders hohe Markenbekanntheit erreicht und steht bundesweit für erfolgreiche Gründungen. Im Jubiläumsjahr 2021 werden Gewinner aus den Bereichen "Ressourcen- und Energieeffizienz" und "Demographie" gewinnen. Parallel wir der Sonderpreis "Arbeitnehmerfreundlichkeit" ausgelobt, denn in der Zukunft bestimmen nicht die Firmen wen sie eingestellt, sondern die Mitarbeiter, für wen sie arbeiten wollen - wer auf diese Herausforderung gut vorbereitet ist, erhält nach Ablauf des Wettbewerbs bereits Anerkennung Zum Buinessplan-Coaching hat sich ein paralleles Programm zur Schulung der persönlichen "soft skills" entwickelt und bereitet die Unternehmerinnen und Unternehmer von Morgen auf die Personalverantwortung vor. start2grow ist mit seinen starken Partnern in Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft bestens dafür gerüstet.
Vielen Dank für das Interview!
Mehr zum Wettbewerb Start2Grow auch auf unserer Überblicksseite zu Businessplan-Wettbewerben in Deutschland. Weitere Informationen zum Thema Businessplan findet man auf unserer Seite hier.
Businessplan: Eine Geschäftsidee entwickeln ist wie ein Haus bauen

- Ulrike Pawandenat ist Ideencoach. Sie sagt: Der Gründer und seine Idee müssen zusammenpassen - wie bei einer Ehe.
Ulrike Pawandenat ist Ideencoach für Existenzgründerinnen und Existenzgründer. Wir sprachen mit ihr darüber, was eine gute Geschäftsidee ausmacht und welche Rolle die Persönlichkeit spielt. Außerdem nennt Sie drei vorbildliche Gründer. Das Interview ist der 2. Teil unserer Businessplan-Serie (hier Teil 1 zum Thema Businessplan/Gründerzuschuss).
Können Sie als Expertin auf den ersten Blick sehen, ob eine Geschäftsidee gut ist oder nicht?
Ulrike Pawandenat: Das kommt ganz darauf an. Der erste Blick auf eine Geschäftsidee lässt nicht immer sofort alle Zusammenhänge erkennen. Ich frage mich meist zu allererst: Welche Persönlichkeit hat der Gründer und welche Ziele verfolgt er? Wie ist er auf die Idee gekommen? Erst danach betrachte ich den Markt, die Zielgruppe und die Möglichkeiten der Umsetzung. Im Umgang mit Gründern und ihren Geschäftsideen ziehe ich oft alltägliche Dinge als Vergleich hinzu. Beispielsweise eine zwischenmenschliche Partnerschaft (manche sagen auch Ehe).
Betrachtet man eine Geschäftsidee und den Gründer als Einheit, die miteinander das gleiche Ziel verfolgen – in guten wie in schlechten Tagen – dann bekommt man schnell ein gutes Gespür, ob das was wird oder nicht. Jede noch so gute Idee kann scheitern, wenn sie nicht zu dem Gründer passt. Wenn der Gründer aber die Leidenschaft und natürlich das entsprechende Know How mit in die „Ehe“ bringt, dann kann es eine Erfolgsstory werden.
Wie kann ich systematisch auf neue Geschäftsideen kommen?
Ulrike Pawandenat: Etwas mit System zu machen setzt voraus, das ich mein Ziel genau kenne. Vergleiche ich die Entwicklung einer Geschäftsidee mit einem Hausbau, dann ist die Auswahl der Fassadenfarbe nicht undbedingt die beste Wahl für den Start. Also was mache ich? Ich lege grundsätzliche Dinge fest: Welches ist das beste Grundstück? Wie viele Stockwerke soll das Haus haben? Fenster? Dach? Keller? Was steht mir zur Verfügung? Finanzen? Unterstützung? Eigenleistung? Genauso ist es auch bei der systematischen Entwicklung von Geschäftsideen. Erst überprüfe ich welche Ressourcen mir zur Verfügung gestehen.
Wenn ich weiß, welche Potenziale ich habe, finde ich heraus wohin ich will: Was sind meine Ziele? Was möchte ich definitiv nicht? Wichtig dabei ist es natürlich, dass man ehrlich zu sich ist. Durch die Potenzialanalyse und die Zielbestimmung legt man sozusagen den Grundstein für sein Haus. Ein großer Fehler, den viele Gründer machen, die auf der Suche nach der passenden Geschäftsidee sind, ist das System umzudrehen. Das bedeutet eine Geschäftsidee zu suchen und dann ihr Leben daran anzupassen. Das geht meistens schief.
"Die Kunst ist es dann eine alltägliche Geschäftsidee zu einer Geschäftsidee mit Charakter, Seele und Einzigartigkeit zu machen."
Muss eine Geschäftsidee immer etwas komplett neues sein?
Ulrike Pawandenat: Natürlich nicht! Wäre es so, dann würde die Unternehmerwelt ziemlich mager ausfallen. Eine bestehende Geschäftsidee als Anregung für die eigene Gründung zu nehmen, ist sogar sehr häufig der Fall. Das ist auch ganz klar, denn die Nachfrage des Marktes lässt hier auch nichts anderes zu. Denken Sie an Handwerksbetriebe, das Gaststättengewerbe, Gesundheitsberufe, Dienstleistungsunternehmen usw. Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen die in derselben Branche mit einem gleichen oder ähnlichen Konzept sehr erfolgreich sind. Für Gründer die auf der Suche nach einer Geschäftsidee sind, ist es immer ratsam sich den bestehenden Markt genau anzuschauen.
Die Kunst ist es dann eine alltägliche Geschäftsidee zu einer Geschäftsidee mit Charakter, Seele und Einzigartigkeit zu machen. Es ist also nicht nur der Geistesblitz eines Genies, der eine erfolgreiche Geschäftsidee hervorbringen kann. Für mich persönlich ist der Begriff Geschäftsidee zu sehr mit der Vorstellung behaftet, innovativ und neu sein zu müssen. Betrachtet man eine Geschäftsidee als die Idee für die Gründung eines Unternehmens, wird der Unterschied einbißchen deutlicher.
Muss meine Geschäftsidee auch zu mir als Gründerpersönlichkeit passen?
Ulrike Pawandenat: Ja, absolut! Wie erfolgreich kann etwas werden, wenn der, der es angeht, von Anfang an in die andere Richtung läuft? Die Persönlichkeit des Gründers ist ausschlaggebend für den Erfolg einer Geschäftsidee. Schon vor der eigentlichen Entwicklung der Geschäftsidee sollte sich der Gründer genügend Zeit nehmen und seine Stärken und Schwächen erkennen und Ziele und NoGos festlegen. Dabei geht es weniger darum sich persönliche Grenzen zu setzen, sondern vielmehr um das Kennenlernen der eigenen Besonderheit. Der Charakter und die Individualität des Gründers sollten definitiv zu der Geschäftsidee passen. Jeden Morgen mit neuer Leidenschaft, Mut und Entschlossenheit seinen Aufgaben und möglichen Hürden zu begegnen, erfordert nicht nur den Erfolgswillen, sondern auch Spaß und Freude daran.
"Schwierig wird es, wenn Gründer unter zeitlichem Druck stehen."
Wie viel Zeit sollte ich in die Entwicklung meiner Geschäftsidee investieren?
Ulrike Pawandenat: Wie lange jemand für die Entwicklung seiner Geschäftsidee braucht, ist davon abhängig welche Ziele verfolgt werden und welchen Ausgangspunkt der Gründer hat. Gründer die schon wissen welche Branche, Tätigkeit, Zielgruppe und Vermarktung sie anstreben, werden weniger Zeit in die reine Geschäftsideenentwicklung stecken als derjenige, der nur im Grunde weiß, dass er eine Existenzgründung anstrebt. Betrachtet man die 2. Gruppe, dann kommt es auf den Ansatzpunkt an. Will der Gründer eine Idee finden, die nicht vielen Kriterien entsprechen muss, bspw. eine schnelle Gründung mit dem einzigen Ziel, Geld zu verdienen, dann ist die ganze Ideenfindung anders aufgebaut. Oftmals werden dann fertige Geschäftsideen, auch aus dem Franchisebereich, ausgewählt.
Für die Gründer die weitaus mehr Ansprüche an eine Geschäftsidee haben, was ich persönlich auch für tiefgreifender und chancenreicher halte, ist es erforderlich, eine gewisse Zeit für die Vorarbeit zu investieren. Bevor es darum geht, welche Geschäftsideen es gibt, ist die Analyse der eigenen Fähigkeiten, Stärken, Schwächen und Voraussetzungen unentbehrlich. Nur wenn ich weiß wer ich bin und was ich will, dann kann ich mit der Geschäftsideensuche beginnen. So ist die Zeit, die ein Gründer in die Entwicklung seiner Geschäftsidee investieren sollte, hier definitiv mehr. Ich würde jedem Gründer raten, sich die Zeit für eine hinreichende Potenzialanalyse und Zielbestimmung zu nehmen.
Schwierig wird es, wenn Gründer unter zeitlichem Druck stehen. Steht z.B. schon fest bis wann gegründet werden muss oder werden eigene Zeitfenster gesetzt, so kann das schnell die eine oder andere Idee kosten. Es kann natürlich auch ein anderer Fall eintreten, bei dem der Gründer zu viele Ideen hat und an mehreren parallel arbeitet. Das kann ich nicht empfehlen und würde immer dazu raten, sich auf eine Idee zu beschränken und sich darauf zu konzentrieren. Wichtig dabei ist, dass diese Idee frühzeitig auf Ihre Erfolgschancen überprüft wird. Ansonsten investiert man zu viel Zeit und muss am Ende gar von vorne anfangen. Hilfreich ist es, sich bewusst zu machen, dass Gründer und Geschäftsidee zueinander passen müssen. Es ist fast wie in der Liebe, mal schlägt sie binnen Sekunden ein, mal dauert es ein ganzes Leben. Wobei man bei der Geschäftsideenentwicklung durch eine gute Anleitung doch ein bisschen nachhelfen kann.
"Es gehört eine gute Portion Ausdauer dazu"
Was mache ich, wenn ich eine gute Geschäftsidee habe, aber in der Realität zündet diese Idee einfach nicht?
Ulrike Pawandenat: Zuallererst stelle ich mir die Frage: WARUM nicht? Ist eine Geschäftsidee gut, dann sollte sie auch zünden. Der häufigste Grund warum es trotzdem nicht passiert, ist: Keiner weiß davon! Dass kann natürlich durch verschiedene Dinge entstehen. Mit einem falschen oder schlichtweg nicht vorhandenen Marketing kommt es dazu, dass ein tolles Produkt oder eine geniale Dienstleistung nie seine Zielgruppe erreicht und schnell untergeht. Das wichtigste ist also neben einer guten Geschäftsidee deren Konzeptionierung, Umsetzung und Vermarktung. Dazu gehören wichtige Dinge wie die Zielgruppenanalyse, Standortwahl, Marketing und Vertrieb. Stellen Sie sich vor Sie haben eine Geschäftsidee entwickelt, die eine Nische bedient: z.B. Fleischersatzwaren für Vegetarier: Wie würden Sie diese Zielgruppe ansprechen und erreichen? Sicher nicht mit einem Spot über die glücklichen Kühe von Bauer Schmidt.
Bei Ideen die für den Markt einen zusätzlichen Nutzen schaffen, gehört eine gute Portion Ausdauer dazu. Jemanden davon zu berichten, dass es etwas gibt, was er vielleicht nicht braucht, ist schwer. Ihn dann auch noch davon zu überzeugen, dass er es ab sofort aber unbedingt haben will, noch schwerer. Bevor ein Gründer sich auf die Fehlersuche nach Gründen begeben muss, warum seine Idee nicht zündet, sollte jeder Gründung eine gewisse Art Testphase oder ein sogenannter Dry Run vorausgehen. So können viele Fehler beim „final opening“ vermieden werden.
Können Sie drei praktische Gründerbeispiele nennen, hinter denen eine gute Geschäftsidee steckt?
Ulrike Pawandenat: Da gibt es eine Menge. Wenn ich drei herauspicken soll, fallen mir spontan Sugarshape, der Sealander und Purepepper.de ein.
Praxisbeispiel 1: Sugarshape
Sugarshape ist ein Wäschelabel, welches von 2 Schwestern gegründet wurde. Die beiden Frauen haben aus Ihrer „Not“ eine „Tugend“ gemacht. Sie haben mit Sugarshape eine zielgenaue Nische angesprochen. Sie haben sozusagen ihr eigenes „Problem“ und dessen Lösung in eine Geschäftsidee umgewandelt. So bedienen sie mit ihrem Wäschelabel die Nachfrage, nach hochwertiger, modischer und gleichzeitig bequemer Unterwäsche für Frauen mit einer großen BH-CUP Größe und einer schmalen Figur (Unterbrustgröße). Sugarshape hat nicht nur eine Nische gefunden, sondern gibt dem Ganzen mit einer eigenen Größendefinition etwas Einzigartiges hinzu. Die Kompatibilität zwischen Geschäftsidee und den Gründerinnen macht diese Idee so stark. Die Umsetzung und das über Crowdfunding finanzierte Konzept treffen genau in das Herz der Zielgruppe und überzeugen damit.
Praxisbeispiel 2: Der Sealander
Mit dem Sealander werden neue Wege in Richtung flexibler Fahrzeuge beschritten. Das Amphibien-Vehicle ist eine innovative Idee, die mir auch persönlich gut gefällt. Der Sealander setzt bei dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Individualität an. Der Caravan, der sowohl zu Lande als auch zu Wasser, Abenteuer, Ruhe und Freiheit verspricht und dabei einen einzigartigen Charakter hat, birgt meiner Meinung nach, ein großes Potenzial als global erfolgreiche Geschäftsidee durch zu starten. Entwickelt hat den Sealander ein Industriedesigner, der sein Können und seine Vision damit auf den Punkt gebracht hat.(Anmerkung: Ein Interview mit Daniel Straub, dem Sealander-Gründer findet man auch in unserem E-Book "Studenten als Existenzgründer".)
Praxisbeispiel 3: Purepepper.de
Für eine gute Geschäftsidee aus dem Onlineshop-Bereich halte ich Purepepper.de. Hier wird deutlich wie aus einer Leidenschaft eine tolle Idee entstehen kann. Purepepper.de vertreibt ausgewählte Pfeffer, mit dem Fokus auf hochwertige Qualität und fairem Handeln. Auch hier kann man die Kombination aus Begeisterung für eine Sache, eigenen Werten und Persönlichkeit erkennen. Ich freue mich immer über die Menschen, die nicht nur eine gute Idee haben, sondern diese dann auch mit Mut und eigener Handschrift in die Welt bringen. Was mir hier besonders gut gefällt, ist die Umsetzung. Pfeffer als Nischenprodukt online anzubieten ist gewagt. Die Zielgruppe aus der Ferne von der Qualität zu überzeugen, empfinde ich als nicht einfach. Aber in dem Fall von Purepepper.de erfolgreich.
Vielen Dank für das Interview!
Ulrike Pawandenat bietet auch einen Online-Kurs zum Thema Geschäftsidee finden an. Mehr Informationen hier.
Weitere Informationen zum Thema:
Wo liegt der Unterschied zwischen einer einfachen Idee und einer funktionierenden Geschäftsidee? Und wie kann ich anhand von sechs Kriterien eine Geschäftsidee finden? Diese Fragen beantworten wir in unserem Businessplan-Kapitel.
Infografik zur Gründerwoche: So gründet Deutschland
Wie steht es um das Gründungklima in Deutschland? Zum Start der Gründerwoche 2012 haben wir dazu eine Infografik entworfen, mit Zahlen aus der aktuellen Forschung und offiziellen Berichten aus den letzten Jahren. Unter anderem mit folgenden drei Punkten:
- Existenzgründer sind auf dem Vormarsch. In Deutschland gibt es über 40 Prozent mehr Selbstständige als noch 1991! Der Angestellten-Staat ist auf dem Rückzug. Vom kleinen Freelancer bis zum Startup – es gibt zahlreiche Existenzgründer-Typen. Und es werden immer mehr. Auch immer mehr Frauen machen sich selbstständig.
- Selbstständigkeit lohnt sich. Auch wenn zum Beispiel in der Kreativ-Branche Selbstständige häufiger relativ wenig verdienen, kann man insgesamt sagen: Selbstständigkeit lohnt sich! Über 80 Prozent der Gründer verdienen gleich viel oder mehr als in Festanstellung. Das hat eine Studie des DIW Berlin ergeben.
- Der Gründungszuschuss ist so gut wie tot. Wir haben bereits mehrfach darüber geschrieben. 74 Prozent weniger Gründer haben die Förderung erhalten! Es ist einfach Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, wie vielen Existenzgründern dadurch der Start extrem schwierig gemacht wird. (Hier mehr dazu).
Viel Spaß beim Lesen! Wir freuen uns über jeden, der unsere Infografik über Facebook, Google+ oder Twitter weiterempfiehlt. Danke! Und natürlich: Wir wünschen viel Spaß bei der Gründerwoche!

Gründerinnen: "Die Frauen holen sich, was ihnen zusteht"

- Dagmar Schulz ist Unternehmensberaterin aus Düsseldorf. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Beratung von Existenzgründerinnen. Copyright: Dagmar Schulz.
Frauen gründen deutlich überlegter und risikobewusster als Männer. Dabei sollten sie allerdings nicht zu brav sein - sonst bleibt der Erfolg aus, sagt Dagmar Schulz, Unternehmensberaterin aus Düsseldorf. Wir sprachen mit ihr über die spezifische Situation von Existenzgründerinnen in Deutschland.
In den Chefsesseln großer Konzerne sind gerade einmal 3 Prozent Frauen vertreten. Unter den Existenzgründern sind es rund 40 Prozent - Tendenz steigend. Haben es immer mehr Frauen satt, unter der "Knute" der Männer und der Konzernbürokratie zu arbeiten?
Dagmar Schulz: Nein, so würde ich es nicht benennen wollen. Zum einen werden Frauen einfach mutiger und „trauen“ sich die Selbstständigkeit zu. Eine mangelnde Aufstiegschance kann ein zusätzlicher Grund sein. Manchmal bleibt einer Frau aber auch nichts anderes übrig, wenn in Teilzeit kein Job zu finden ist, um es mit der Familie vereinbaren zu können.
Warum wollen immer mehr Frauen Ihr eigener Chef sein?
Dagmar Schulz: Frauen haben immer häufiger den Wunsch mehr eigene Verantwortung zu übernehmen und die Ideen und eigenen Kompetenzen in der Form umzusetzen, wie „Sie“ es will. Eine weitere Motivation ist die Benachteiligung, wenn es um ein „gerechtes“ Einkommen und Anerkennung geht. In der Arbeitswelt heute leider noch immer häufig ein Manko, dann holt sich „Frau“ einfach selber was ihr „zusteht“. Dieses Ziel zu erreichen, ist sicher auch keine leichte Aufgabe, aber durchaus erreichbar.
Gründen Frauen anders als Männer?
Dagmar Schulz: Ganz klares ja! Fest steht, dass Frauen vor allem überlegter und risikobewusster an eine Gründung herangehen. Das soll nicht heißen, dass Männer generell mit Risiko gründen. Frauen sind auch eher bereit von Ihrem Umfeld Informationen auf- und anzunehmen und ggf. einzubinden. Männer gehen eher ihren Weg geradeaus ohne vielleicht einmal links und rechts zu schauen. Und mit einem Augenzwinkern, Frauen sagen offen, wenn es gerade einmal nicht so gut läuft – bei Männer läuft eher immer als „bestens“.
"Das eigene Unternehmen darf die Familie nicht stören, ansonsten stört das Unternehmen die Familie."
Eine KfW-Bank-Studie besagt, dass Frauen mit weniger Kapital gründen als Männer. Wie kommt das? Und kann man mit wenig Kapital genauso erfolgreich sein?
Dagmar Schulz: Eine Frau fragt sich am Anfang, ist es nötig direkt beim Start die großen Büroräume zu mieten oder das große Auto zu kaufen und direkt Personal einzustellen. Das hört sich nach Klischee an, ist aber ein absoluter Erfahrungswert. Auch mit weniger Kapital kann eine Gründung erfolgreich sein. Ein absolut gut durchdachter Businessplan ist die beste Voraussetzung für Erfolg und nicht ein hohes Darlehen.
Viele Frauen starten laut einer KfW-Bank-Studie im Nebenerwerb, unter anderem, weil sie sich um die Familie kümmern. Welche Tipps können Sie Ihren Gründerinnen geben, Familie und Selbstständigkeit unter einen Hut zu kriegen?
Dagmar Schulz: Das geht nur mit einer guten Vorbereitung und Unterstützung auf der ganzen Bandbreite – sprich Familie und Freunde. Die gute Organisation der Unternehmerin steht dabei enorm im Vordergrund. Das eigene Unternehmen darf die Familie nicht „stören“, ansonsten stört das Unternehmen die Familie. Egal ob männliche oder weibliche Existenzgründung, gerade in der Startphase muss gewährleistet sein, dass ohne schlechtes Gewissen so lange wie nötig und gewollt gearbeitet werden kann.
"Gründerinnen dürfen gerne mal zickig sein"
Macht eine Teilzeit-Gründung Ihrer Meinung nach Sinn?
Dagmar Schulz: Dies macht Sinn, wenn das Ziel der Gründung ein Überschaubares ist. Klar ist, wenn ich mich nicht Vollzeit um mein Vorhaben kümmere, wird es auch in einem anderen Tempo voran gehen. Hier muss der Kosten-Nutzen-Faktor in einem guten Verhältnis stehen. Vorteil: bei einer Teilzeit-Gründung kann die Unternehmerin nebenbei ihren Kundenstamm stückweise aufbauen, Erfahrungen sammeln was geht gut und was geht nicht gut, und wenn die Kinder groß sind, kann Frau durchstarten.
Was sind die klassischen Fehler, die Frauen in der Existenzgründung machen. Oder umgekehrt gefragt: Welche Faktoren gibt es, um als Gründerin erfolgreich zu sein?
Dagmar Schulz: Um erfolgreich zu sein benötigt eine Gründerin den nötigen Biss, um sich durchzusetzten. Dabei darf „Frau“ auch gerne einmal „Zicke“ sein und es sogar als Kompliment verstehen, wenn sie sich für ihre eigenen Belange stark macht. Frauen sind häufig in vielen Bereichen zu scheu, zu zurückhaltend und zu lieb und scheuen die Konfrontation und befinden sich lieber in „Harmonie“. Das sind keine idealen Voraussetzungen um erfolgreich zu sein.
Auch ein typisches Frauenverhalten: ihr genügt es so viel zu verdienen um zu (über-) leben. Das Problem ist, wenn ich mir ein kleines Ziel stecke, werde ich selbst dieses kleine Ziel nur schwer erreichen und es wird erfahrungsgemäß eher immer (zu) klein bleiben.
Dagmar Schulz ist Geschäftsführerin von 1a-STARTUP ®. Sie berät Existenzgründer, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Freiberufler. Eines ihrer Spezialgebiete ist professionelle Beratung für Frauen.
Lesetipp: Ein Blogbeitrag von uns zum Thema Nebenerwerb: Nebenberufliche Existenzgründung - eine Pro- und Contra-Liste. Hier gibt es weitere Infos zum Businessplan auf unserer Seite.


