Franchising: Eine Alternative für Existenzgründer

Franchise-Experte Sönke Voigt

Schon jeder hat einmal in einem Mc Donalds gesessen. Was wenige wissen: Dahinter steht ein sogenanntes „Franchising“-System (Hier geht es zur großen Themenseite "Franchising für Gründer"). Jedes Geschäft wird von einem selbstständigen Unternehmer geführt, der von einer Zentrale unterstützt wird.

Deutschlandweit gibt es mehrere hundert Franchise-Systeme, die immer mehr Umsatz machen. Sie sind eine interessante Alternative für Existenzgründer, sagt Unternehmensberater Sönke Voigt. Wir sprachen mit ihm über die Vorteile, Kosten und Risiken.   

 

Warum sollte ich als Existenzgründer ein Franchise-Modell in Betracht ziehen?

Voigt: Wenn ich mich selbstständig machen will, muss ich zuerst einmal eine Geschäftsidee entwickeln und ein detailliertes Konzept erarbeiten. Das kostet Zeit und Mühe. Beim Franchising dagegen bekommt man als Gründerin oder Gründer ein etabliertes Konzept, das bereits erfolgreich getestet wurde.

Zum Beispiel in der Gastronomie: Wenn Sie ein Café eröffnen, sitzen Sie schnell ein ¾ Jahr an der Planung und am Einkauf der Einrichtung. Als Franchisenehmer können Sie auf eine große Unterstützung in der Planung sowie einen zentralen Einkauf zurückgreifen. Sie erhalten einen klaren Fahrplan, was Sie wann benötigen und wie viel es kostet.

Dazu kommt: Dadurch, dass man die Marke nutzen kann, hat man direkt eine größere Bekanntheit. Das erleichtert die Kundenakquise enorm. Man muss sich nicht erst Vertrauen im Markt aufbauen.

 

Aber wenn ich eine komplett eigene, spezielle Idee habe?

Voigt: Franchising ist kein Muss, sondern eine mögliche Alternative zu einem Alleingang. Es gibt auch viele Gründer, die sich gerne selbstständig machen wollen, aber nur eine vage Idee haben, in welche Richtung es gehen könnte. Da macht es Sinn, Franchising als Option zu überprüfen.  

 

In welchen Branchen gibt es denn überhaupt Franchising-Modelle?

Voigt: Franchising ist in den letzten Jahren quer durch alle Branchen extrem erfolgreich geworden. Von Dienstleistungen über Gastronomie, Einzelhandel, Handwerk bis zum KfZ-Sektor – um nur einige Branchen zu nennen. Allerdings unterscheiden sich die Franchisegeber auch innerhalb einer Branche deutlich in ihren Konditionen und Verträgen. Man braucht also einen gewissen Überblick und sollte sich nicht spontan für ein Konzept entscheiden, sondern vergleichen und genau prüfen, ob es das richtige ist.

 

Ein fertiges Konzept – das hört sich danach an, als gäbe es kein Risiko.

Voigt: Franchising bietet gewisse Sicherheiten. Aber trotzdem ist völlig klar: Jeder Franchisenehmer ist selbstständiger Unternehmer – mit allen Chancen und Risiken. Es ist nicht vergleichbar mit einer Festanstellung, sondern mit einer Einzelselbstständigkeit. Als Unternehmer muss man schnell und pfiffig sein. Einfach zurücklehnen und der Erfolg kommt von alleine – so funktioniert es nirgendwo.  

 

Was brauche ich für ein Fachwissen, um ein Franchise-Geschäft zu eröffnen?

Voigt: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man als Franchisenehmer erfolgreich ist, wenn man sich in der jeweiligen Branche und dem entsprechenden Fachgebiet bereits gut auskennt. Im Handwerk zum Beispiel sollten Sie als Geselle bereits mehrere Jahre gearbeitet haben. Im Handel machen sich häufig Abteilungsleiter oder Filialleiter mit einem Franchise-System selbstständig. Wenn Sie direkt Personal einstellen müssen, sollten Sie bereits Erfahrung als Führungskraft gesammelt haben.

 

Wie viel Geld muss ich investieren, wenn ich mich für ein Franchise-Modell entscheide?

Voigt: Das hängt vom jeweiligen Franchise-System und der Branche ab. In der Regel ist es ein fünfstelliger Betrag, so wie bei einer Existenzgründung ohne Franchise auch. Das sogenannte Startgeld, also ein Gründerkredit über die KfW-Bank, ist ausdrücklich auch für Franchise-Modelle gedacht. Außerdem müssen bei manchen Franchisegebern Einstiegsgebühren bezahlt werden, um Schulungskosten zu decken.

Hier ist man klar im Vorteil, wenn man sich auskennt. Denn manche Ketten sind stark auf Expansion aus und unterstützen neue Franchisenehmer finanziell. Dadurch sinkt das eigene wirtschaftliche Risiko. Etablierten Anbietern dagegen tut es teilweise nicht so weh, wenn der ein oder andere Laden wieder zumacht.

 

Man hört allerdings auch von Kämpfen zwischen konkurrierenden Franchise-Ketten. Wenn eine Kette irgendwo ein neues Geschäft aufmacht, eröffnet die Konkurrenz ebenfalls ein Geschäft direkt gegenüber.

Voigt: Ja, Konkurrenz ist immer ein Thema, für alle Selbstständigen. Jeder Geschäftsplan kann sich ändern. So läuft Wirtschaft nun einmal. Aber wenn sich die Situation ändert, habe ich als Franchisenehmer auch eine große Zentrale und die Erfahrungen der anderen Franchisepartner im Rücken, die mich mit erfolgreich getesteten Marketingmitteln unterstützen kann.

Außerdem kann es auch umgekehrt laufen: Wenn ich mit einer bekannten Franchise-Marke ein Geschäft eröffne, ziehe ich vielleicht Kunden von anderen Unternehmen ab. Dann habe ich den Erfolg.

 

Viele Existenzgründer greifen auf ein Gründercoaching zurück, um sich beim Sprung in die Selbstständigkeit beraten zu lassen. Gilt die Coaching-Förderung von der KfW-Bank auch für Franchising?

Voigt: Ja, ein Coaching für Gründer im Franchise-Bereich ist eine förderfähige Maßnahme. Und es ist auch zu empfehlen. Man muss nicht alles selbst entwickeln, sondern kann auf viele Erfahrungen zurückgreifen. Die teuerste Angelegenheit ist immer noch, wenn man als Gründer scheitert und nach ein oder zwei Jahren wieder sein Geschäft schließen muss.

 

Vielen Dank für das Interview!

 Sönke Voigt ist Kooperationspartner von Existenzgründer & Jungunternehmer. Er berät Existenzgründungen in Nordrhein-Westfalen in der Region Köln/Bonn und bei Existenzgründungen in Hessen (u.a. Frankfurt, Wiesbaden).

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