Unternehmen kaufen – was sollten Sie beachten?

Viele Betriebe werden Hals über Kopf verkauft. Der bisherige Chef ist in Geldnot. Oder er wird krank. Oder – auch das kommt vor – er stirbt plötzlich und die Firma muss irgendwie weiterlaufen.

Jetzt schlägt die Stunde des Nachfolgers! Der Nachfolger kauft den Betrieb schnell auf und legt direkt los. Oder doch nicht?

Auch wenn die Zeit drängt, sollten Sie als Nachfolger cool bleiben. Sie sollten sachlich vorgehen. Entweder alleine oder mit professioneller Unterstützung. Denn es ist Ihr Risiko. Es ist Ihr Geld. Es ist Ihre Zukunft. Lesen Sie hier:

Nachfolgerin möchte Firma kaufen
Eine Firma kaufen - Chance und Risiko zugleich

Fünf Fragen, auf die Sie achten müssen

  1. Wie viel ist die Firma oder der Betrieb wirklich wert? Haben Sie den Wert nur über den Daumen gepeilt? Oder haben Sie die Bilanzen der letzten drei Jahre eingesehen? Denken Sie daran: Jeden Euro, den Sie beim Kauf sparen, können Sie in Ihren zukünftigen Betrieb investieren.

  2. Wie sind die Entwicklungschancen der Firma? Wo steht der Betrieb in drei bis fünf Jahren? Haben Sie eine treue Kundschaft? Was sagen Ihre Lieferanten? Haben Sie gute Mitarbeiter? Die Firma darf nicht zusammenbrechen, wenn Sie der neue Chef sind!

  3. Wie finanzieren Sie die Firmenübernahme? Haben Sie Kreditmöglichkeiten verglichen? Kennen Sie sich mit Fördermitteln für Unternehmensnachfolgen aus? Eine Finanzierung muss auf soliden Beinen stehen.

  4. Wie läuft der Kauf rechtlich sauber ab? Wer eine Gmbh kauft, muss steuerrechtlich vieles beachten. Die Übergabe muss professionell ablaufen. Ein Handschlag reicht definitiv nicht aus. Auch hier macht es Sinn, sich tiefer zu informieren.

  5. Machen Sie alles alleine – oder wollen Sie sich beraten lassen? Wer einen Betrieb kaufen will, der geht ein Risiko ein. Sie sollten sich fragen, ob Sie sich einen erfahrenen Unternehmensberater an die Seite holen, der auf Unternehmensnachfolge spezialisiert ist. Auch hierfür gibt es Fördermittel!

Es macht Sinn, sich einen erfahrenen Nachfolgeberater an die Seite zu holen, der auf Unternehmensnachfolge bei mittelständischen Betrieben spezialisiert ist. Mit unseren Nachfolgeberater-Service können Sie unverbindlich und kostenlos Kontakt zu einem Nachfolge-Experten in Ihrer Region aufnehmen:

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Der Firmenkauf: Herausforderung und Chance zugleich

Drei klassische Probleme, die bei einem Firmenkauf auftreten:

  1. Problem: Der alte Chef will nicht loslassen. Er will den Betrieb zwar verkaufen, aber immer noch mitmischen. Dieses Problem müssen Sie lösen – im Zweifel mit einer externen Beratung.

  2. Problem: Der alte Chef lässt Sie nicht in die Bilanzen schauen. Kein Wunder: Schließlich haben Sie seine Firma ja noch nicht gekauft. Auch das muss geklärt werden! Denn ohne Einblick, kein Kauf!

  3. Problem: Der Firmen-Käufer oder die Firmen-Käuferin ist naiv. Viele Gründer, die einen Betrieb übernehmen, kennen sich zwar im Tagesgeschäft aus. Aber sie sind keine Manager. Zahlen sind Ihnen nicht so wichtig. Und sie vertrauen dem Vorbesitzer. Das rächt sich!

Drei Chancen für alle, die einen Betrieb oder eine GmbH kaufen wollen:

  1. Chance: Wer eine Firma kauft, kann sofort starten! Kunden, Mitarbeiter, Geschäftsräume – alles ist schon vorhanden. Wer dagegen als Existenzgründer eine eigene Firma neu aufbaut, ist null bekannt und braucht viel mehr Zeit.

  2. Chance: Wer klug verhandelt, kommt günstig weg! Meistens haben die Verkäufer mehr Druck als die Käufer. Nutzen Sie diese Situation – natürlich ohne den Chef aufs Kreuz zu legen. Sie sollten nicht zu „weich“ sein. Wer klug verhandelt, legt die Basis für den geschäftlichen Erfolg.

  3. Chance: Profitieren Sie von Ihrem Vorgänger! Alte Chefs haben viele Jahre Berufserfahrung. Versuchen Sie möglichst viel Wissen einzusammeln. Welche Kunden lohnen sich? Wie funktionieren die Abläufe im Betrieb genau? Welche Fehler hat der Chef gemacht und wo sieht er noch Geschäftspotenzial?

Auch hier gilt: Es macht Sinn, sich einen erfahrenen Nachfolgeberater an die Seite zu holen, der auf Unternehmensnachfolge bei mittelständischen Betrieben spezialisiert ist.

Verkaufsangebote und Kaufgesuche nach Branchen
Ihre Chance: In fast allen untersuchten Branche gibt es mehr Angebote als Käufer!
(Zahlen: nexxt change Börse, 12/2014)

Experten-Interview: Firma kaufen

Bettina Schwarz - KMU Fachberater
Unternehmensnachfolge

Bettina Schwarz arbeitet seit vielen Jahren als Gründercoach und Unternehmensberaterin. Sie ist KMU Fachberaterin für Existenzgründung und Unternehmensnachfolge. Im Interview erklärt sie noch einmal, worauf man achten muss, wenn man eine Firma kauft.

Fast alle Existenzgründer bauen sich ihre Firma neu auf. Wieso ist es eine interessante Alternative, sich eine Firma zu kaufen?

Bettina Schwarz: Eine Unternehmensnachfolge hat Vorteile und Nachteile. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass das Unternehmen schon am Markt ist. Produkte und Dienstleistungen sind bereits eingeführt, es gibt bestehende Kunden- und Lieferanten-Beziehungen. Und die Beschäftigten sind häufig ein eingespieltes Team. All dies muss man als Gründer eines neuen Unternehmens erst aufbauen. Das ist ein sehr mühsamer und aufwendiger Prozess. Es hat einen Grund, warum nur wenige Existenzgründer die ersten drei Jahre überstehen.

Aber es kann auch Nachteile mit sich bringen, wenn man eine Firma kaufen möchte, also ein Unternehmen übernehmen will. Der KMU-Sektor, also die kleinen und mittleren Betriebe, ist in der Regel inhabergeführt. Die jeweilige GmbH ist stark durch die jeweilige Persönlichkeit des Besitzers geprägt. Beim alten Chef ist also alles bekannt. Der Neue muss sich erst einmal beweisen, sowohl bei den Mitarbeitern, als auch bei den Kunden und Lieferanten.

Der entscheidende Knackpunkt für den Käufer und potenziellen Nachfolger ist: Wie viel ist das bestehende Unternehmen wert? Man muss sich vor der Übernahme detailliert mit der Firma auseinandersetzen. Wie sehen die Bilanzen der letzten drei bis fünf Jahre aus? Wie hat sich das Unternehmen entwickelt? Wie ist die Wettbewerbssituation? Hat die GmbH strukturelle Probleme? Wer für viel Geld eine Firma übernimmt und dann merkt, dass etwas faul ist, hat ein richtiges Problem. Deswegen muss man auch bei einer Unternehmensnachfolge einen professionellen Businessplan erstellen. Es geht darum einen realistischen Unternehmenswert zu errechnen und die Entwicklungschancen zu beurteilen.

 

„Man muss einen realistischen Firmenwert errechnen“

 

Das sind aber sehr sensible Informationen…

Bettina Schwarz: Absolut! Genau das macht es auch zu einer schwierigen Sache, wenn man eine Firma kaufen will. Der Inhaber muss seinem Nachfolger vertrauen können. Bei Familienmitgliedern ist das eher möglich als bei Fremden. Aber ohne die konkreten Kennzahlen kann man keine seriöse Unternehmensbewertung durchführen. Und der Nachfolger muss in der Regel auch Bankgespräche führen. Keine Bank vergibt „mal eben so“ einen Kredit über eine sechs- oder siebenstellige Summe. Ein Unternehmensberater nimmt eine Schnittstellen-Position ein. Er hat beide Seiten im Blick.

 

Wie finde ich denn als Existenzgründer überhaupt eine passende Firma?

Bettina Schwarz: Es gibt völlig unterschiedliche Situationen. Manche Gründer suchen speziell in ihrer Branche und innerhalb ihrer Kompetenzfelder nach einem Unternehmen, das sie übernehmen können. Andere kommen durch eine konkrete Notfallsituation dazu. Etwa wenn der Chef plötzlich stirbt und ein langjähriger Mitarbeiter die Firma übernimmt, damit „der Laden irgendwie weiter läuft“. In solchen Situationen ist der Druck entsprechend groß.

Andere Inhaber entscheiden sich bewusst dazu, von langer Hand die Unternehmensnachfolge zu planen und durchzuführen. Sie arbeiten ihren Nachfolger ein und geben schließlich das Zepter ab. Aber leider halten die meisten Inhaber zu lange an ihrem Unternehmen fest.

 

Warum schaffen die Inhaber nicht den Absprung?

Bettina Schwarz: Viele Inhaber sind emotional stark mit ihrem Unternehmen verbunden. Es ist ihr „Baby“. Sie haben es groß gezogen und es fällt ihnen schwer, davon Abschied zu nehmen. Das ist verständlich. Aber irgendwann wird es zum Problem für die gesamte Firma, weil eine Unternehmensnachfolge ein komplexes Thema ist, das Zeit braucht. Und eigentlich ist kein Inhaber daran interessiert, dass vier Wochen nach seinem persönlichen Ableben die Firma ebenfalls stirbt. Dann war all die Mühe und Arbeit umsonst.

 

Wann sollte man sich melden, die an einer Beratung zur Unternehmensnachfolge interessiert sind?

Bettina Schwarz: Unternehmensinhaber sollten mindestens fünf Jahre vor der geplanten Übergabe tätig werden. Der Zeitraum für eine Nachfolgeregelung sollte im optimalen Fall drei bis fünf Jahre betragen. Bei solchen strukturierten Unternehmensnachfolgen können auch Fördermittel beantragt werden und Bankgespräche gezielt vorbereitet werden.

Außerdem kann der Gründer schon vorab in die Firma gehen, die Mitarbeiter und Arbeitsabläufe kennenlernen und das Betriebsklima einschätzen. Man muss einem Nachfolger auch die Möglichkeit geben, Mitarbeitergespräche vorab zu führen. Dann wird die Unternehmensnachfolge auch ein Erfolg!

Vielen Dank für das Interview!

Firma kaufen: Die persönlichen Gründe

Bei einem Firmenkauf geht es nicht nur um Zahlen, Daten, Fakten. Sondern auch um die Menschen dahinter. Der Firmenkäufer und der Firmenverkäufer stehen als Menschen im Mittelpunkt. Sie müssen sich einigen. Aber vor allem müssen die Motive hinter dem Firmenkauf und Firmenverkauf klar sein. 

Warum wollen Sie eine Firma kaufen?

Sind Sie der potenzielle Firmenkäufer? Dann prüfen Sie Ihre eigenen Beweggründe und hinterfragen Sie auch Ihre Kenntnisse und Voraussetzungen.  

  1. Handeln Sie aus der Not heraus? Etwa, weil der Alt-Eigentümer Sie unter Druck setzt und Ihnen eine zeitliche Frist setzt? Dann ist es ratsam, einen Schritt zurückzugehen: Wer steht eigentlich unter Druck? Sie oder der Alt-Eigentümer? Es ist ratsam, sich schnell professionelle Unterstützung zu holen. Sonst machen Sie finanzielle Fehler – und müssen nachher dafür büßen.
  2. Ist eine Selbstständigkeit Ihr lang gehegter Traum? Sind Sie also bereit, über mehrere Jahre hart für einen Erfolg zu arbeiten? Als Unternehmer brauchen Sie viel Durchhaltevermögen und starke Nerven. Dies gilt erst Recht bei einem Firmenkauf, bei dem man sich in der Regel verschuldet.
  3. Haben Sie fachliche und unternehmerische Kenntnisse? Als Selbstständiger müssen Sie betriebswirtschaftlich kalkulieren können. Außerdem brauchen Sie unternehmerisches Know-how. Sie müssen wissen, wie man Kunden gewinnt. Und vor allem müssen Sie bereit sein, an solchen Themen wie Marketing, Produktentwicklung auch wirklich zu arbeiten. 

Warum will der Inhaber seine Firma verkaufen?

Zu einer Unternehmensnachfolge gehören immer zwei Seiten. Fragen Sie den Alt-Unternehmer nach seinen Gründen. Die Motivlage ist sehr wichtig! Drei Gründe sind schlüssig:

  1. Alter: Der Firmeninhaber geht auf die 60 zu oder ist sogar schon älter. Er sieht das Problem, dass der Betrieb früher oder später ohne ihn laufen muss. Es ist eine Frage der Perspektive.  
  2. Gesundheit: Manche Firmeninhaber haben gesundheitliche Probleme. Dies kann durch das Alter kommen, aber auch früher eintreten. Also fehlt ihnen die Kraft, das Unternehmen zu führen.
  3. Lebensträume: Vielleicht hat der Firmeninhaber auch viele Jahre hart gearbeitet – und will jetzt endlich andere Träume verwirklichen. Das ist sein gutes Recht und auch für den Nachfolger eine gute Sache. Denn so ist der Alt-Unternehmer auch wirklich bereit, einen Schlussstrich zu ziehen.

Wenn es jedoch keine schlüssige Begründung gibt, sollten Sie auf der Hut sein. Einfach so verkauft niemand eine funktionierende Firma... Vielleicht stimmt etwas mit dem Unternehmen nicht? Überprüfen Sie die Zahlen genau. Auch die Branchensituation und der konkrete Wettbewerb vor Ort spielen eine wichtige Rolle. Fragen Sie bei den Kunden und im Umfeld, ob etwas vorgefallen ist. Vielleicht liegt etwas vor, was den Wert der Firma nachhaltig reduziert und den Firmenkauf vielleicht weniger attraktiv macht.