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Buchrezension: Timothy Ferris, Die 4-Stunden Woche

Die Liebe zur Geschäftigkeit ist nicht dasselbe wie Fleiß.
(Seneca, römischer Philosoph, Ferris S. 97)

Treffender kann man das Buch von Thimothy Ferris nicht zusammenfassen. Das Zitat hat Ferris im Übrigen selbst in seinem Buch verwendet, wie so viele Andere auch. Selten habe ich so relevante und dabei witzige Zitate in einem Buch gelesen. Extrem cool, extrem locker.

Generell finde ich es wichtig, dass gerade Bücher aus dem Bereich Existenzgründung / persönliche Entwicklung / Ratgeber unterhaltsam geschrieben sind. Neben allen Informationen und Tipps ist es doch letzendlich die Motivation und die Power, die man von anderen erfolgreichen Menschen mitnimmt. Wer das auch so sieht, liest gerne weiter. Wer nicht, setzt sich bitte wieder an seinen aktuellen “Ratgeber Steuern” ;-)

Die Kernthese

Die Kernthese des Buches steht auf dem Cover: Die 4 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich. Ferriss behauptet, dass man mit wesentlich weniger Arbeit mehr Geld verdient – unabhängig ob man Selbstständiger oder Angestellter ist.

Ferriss kritisiert, dass die meisten Erwerbstätigen den Hauptteil ihrer Arbeitszeit mit unwichtigen Dingen verbringen. Verstärkt wir dies durch die Anspruchshaltung vieler Chefs oder einem selbst, möglichst viele (Über-) Stunden zu leisten. So wird die Arbeit zum Selbstzweck und Geschäftigkeit zur Pflicht. Darüber vergessen die meisten Menschen den eigentlich Grund ihrer Arbeit: Produktivität. Daraus schließt der Autor, dass man durch den Fokus auf die “wirklich wichtigen” Dingen, unter Ausblendung aller Unwichtigen, lediglich ein paar Stunden in der Woche konzentriert arbeiten muss.

Wobei die angepeilten 4 Stunden zugegebenermaßen am Ende eines Prozesses stehen, in dem man sich grundsätzliche Gedanken über die eigene Arbeitsorganisation macht. Daneben liegt der Schwerpunkt des Buches auf den eigenen Wünschen und Vorstellungen, wie man sein Leben und die Zeit, die man zur Verfügung hat, verbringen möchte. So plädiert Ferriss dafür, nur die Arbeit zu machen, für die man sich absolut begeistern kann und alle Jobs, Kunden und Aufträge daran zu bemessen. Im Gegenzug hält er es für genauso wichtig, auch die gewonnene Freizeit mit “Leben”, sprich eigenen Interessen und Hobbys zu füllen.

Tipps zur Arbeitsorganisation

Hier ein kurzer Auszug aus den Hinweisen, wie Ihr Euren Arbeitsalltag effektiver gestalten könnt:

Eleminieren

Was man tut ist viel wichtiger als wie man es tut. Die eigene Arbeit beobachten und alle Zeitfresser identifizieren und eleminieren. Handle nach dem Pareto-Prinzip (auch als 80/20 Regel bekannt): Durch 20 Prozent konzentriertem Einsatz bekommt man 80 Prozent des Ertrags. Für die restlichen 20 Prozent benötigt man 80 Prozent Einsatz. Einfach auf den zweiten Teil verzichten :-)

Selektive Ignoranz anwenden. Keine Nachrichten, kein Surfen, keine sozialen Netzwerke. Alle Informationen während der Arbeit müssen unmittelbar wichtig anwendbar sein.

Optimieren

Mitarbeiter oder Untergebene zur Effizienz erziehen und konsequent “Empowerment” anwenden. Vor allem die Email-Kommunikation bietet großes Optimierungspotential. Wie das konkret geht, schreibt Ferriss ab Seite 122.

Niemals morgens Email lesen. Alle wiederkehrenden, zusammenhängenden Arbeiten (Mails, Rechnungen, Telefonate) sammeln und dann nacheinander abarbeiten – optimalerweise einmal die Woche.

In diesem Zusammenhang rät Ferriss zu einem kompletten Verzicht auf Multitasking! Dies führt laut ihm zu mangelnder Konzentration, schlechten Ergebnissen und weniger Zufriedenheit. Das kann ich im Übrigen aus eigener Erfahrung nur bestätigen.

Deligieren

Ein weiteres großes Kapitel beschäftigt sich mit dem Auslagern von Arbeiten. Dies sollte immer erst der letzte der drei Schritte sein, da man sonst aus bequemlichkeit Unwichtiges oder Uneffizientes auslagert. Ferriss schwört auf seine “virtuellen persönlichen Assistenten”. Wo man sich diesbezüglich umschauen kann und welche Auswahlkriterien gelten, steht ab Seite 149 beschrieben.

Fazit

Die Qualität dieses Buches hängt stark von der persönlichen Einstellung das Lesers ab. Wenn man um der Arbeit willen gerne im Büro ist und sonst nichts mit sich anzustellen weiß, wird man beim Lesen oft den Kopf schütteln. Wenn man nach Wegen sucht, mit Spaß an die Arbeit zu gehen, sich Freiräume zu schaffen und diese mit eigener Persönlichkeit zu füllen, dann bringt dieses Buch viel. Da ich zu Letzteren gehöre, habe ich demnach wenig an dem Buch auszusetzen. Was mir persönlich ein bisschen gegen den Strich geht, ist die Sache mit dem Outsourcen. Prinzipiell nutze ich keine Lohngefälle aus und achte wo es geht darauf, dass faire Gehälter gezahlt werden. Ferriss nennt konkret Beispiele indischer Dienstleister, die Theaterkarten bestellen, Reisen buchen oder irgendwelche Recherchen machen. Ein professioneller Büroservice ist eine Sache, aber das ist nichts für mich. Aber das muss jeder selbst entscheiden.

Unabhängig davon bietet das Buch für viele Menschen einen völlig neuen Denkansatz. Gerade für Erwerbstätige, die es gelernt haben, sich über die Anzahl der geleisteten Stunden zu definieren, kann es erfrischende Alternativen aufzeigen. Für Existenzgründer ist es soger noch um einiges wertvoller: Sie lernen viel über Sinn und Unsinn von Arbeit, Bewertung von Kunden und Arbeitsorganisation. Darüber hinaus motiviert es auf der persönlichen Ebene.

Klare Leseempfehlung!

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10. Februar 2012    Fabian Jaeckert    Allgemein.

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