Veröffentlicht in: Geschäftsidee Blog
21.01.2010

Buchrezension: Günter Faltin, Kopf schlägt Kapital

Über die Weihnachtstage habe ich habe ich die Zeit hauptsächlich mit Lesen und Weiterbildung verbracht. Ein Buch, welches mir ein Freund empfohlen hatte, ist dabei besonders hervorgestochen. Deshalb möchte ich es hier vorstellen.
Der Titel des Buches ist "Kopf schlägt Kapital, Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust, ein Entrepreneu zu sein." Es ist in sechster Auflage beim Hanser Verlag erschienen. Der Autor Günter Faltin ist Professor für Unternehmensgründung an der Freien Universität Berlin. Auf der verlinkten Wikipedia-Seite sind eigentlich alle wichtigen Daten und Links zur Person zu finden, weshalb ich mir hier eine ausführliche Beschreibung spare und direkt mit dem Buch anfange.

Die Kernthese

Das Buch rückt die Gründungsidee in den Mittelpunkt der Betrachtung. Es stellt die Behauptung auf, dass deren Qualität maßgeblich über Erfolg und Misserfolg eines jungen Unternehmens entscheidet. Wobei "Qualität" nicht unbedingt neuartig und innovativ meint, sondern eher das Konzept und dessen Ausarbeitung beschreibt. Faltin rückt in seinem Buch stark vom althergebrachten Mythos der Patentgründung ab, in dem Absolventen mit Hilfe von finanzstarken Partnern ihre Patente oder universitären Entwicklungen an den Markt bringen. Für ihn ist die funktionelle Komponente jedweder Idee wichtig, also deren Nutzen, deren Einfachheit, deren Vorteile und Verbesserungen. Ob es sich dabei dann um eine neue Maschine, eine neues Medikament oder einen Kiosk handelt, ist eher nebensächlich.

Die vorgestellte Art von konzept-kreativer Gründung räumt mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf, und das ist meines Erachtens eine Stärke des Buches: Den Fokus auf Business Administration. Die Mär, jeder Gründer müsse in erster Linie Experte für Finanzfragen und Geschäftsbedingungen sein, ist weit verbreitet. Dass man aber ohne gute Idee, ohne tragfähiges, einleuchtendes Geschäftskonzept langfristig keinen Erfolg haben wird, den es zu verwalten gibt, fällt oft unter den Tisch.

Im konzeptionellen Teil des Buches wird beschrieben, wie aus einer Idee ein Konzept wird. Beispielsweise können bereits vorhandene Komponenten zu einem effektiveren Workflow neu kombiniert werden. Durch Konzentration können Skaleneffekte preislich an den Kunden weiteregegeben werden. Nicht zuletzt der Hinweis, möglichst viele Aufgaben - nicht zuletzt auch die Business Administration - an externe Experten abzugeben, um sich möglichst ausschließlich auf den Kern der Gründungsidee konzentrieren zu können.

Tipps zur Ideenfindung

Am angewandtesten wird das Buches mit den die Hinweisen zur Ideenfindung. Die wichtigsten sind dabei:

  • Neue Ideen nicht direkt beurteilen oder bewerten. Nicht direkt die Umsetzung und mögliche Schwierigkeiten "erdenken", sondern allen Ideen eine Chance geben, sich im Konzept zu bewähren.
  • Funktionen statt Konventionen: Radikal alles bestehende in Frage stellen: geht es besser, schneller, billiger, mit moderneren Mitteln? Nicht nur einzelne Bereiche, den kompletten Prozess neu denken.
  • Kann Vorhandenes neu kombiniert werden?
  • Kann Vorhandenes mehr als nur eine Funktion erfüllen? Gibt es einen Mehrfachnutzen, fällt irgendwo etwas an oder ab, was ich kostenlos mitnutzen kann?
  • Kann Arbeit in Spaß verwandelt werden? Gibt es mitmach-Möglichkeiten, Events, um Kunden einzubinden?

Diese z.T sehr abstrakten Hinweise ergeben sich meistens aus den Beispielen heraus, die im Buch genannt werden. So werden sie anschaulich und verständlich.

Fazit

Ich muss sagen, das Buch macht Mut und Lust auf mehr! Es bestärkt alle als Spinner und Lebenskünstler verschriehenen Menschen, Ihre Ideen und Visionen Ernst zu nehmen und zu entwickeln. Es fordert auf, sich über die Ideenfeindlichkeit vieler Mitmenschen hinwegzusetzen und (s)einen Beitrag zur Weiterentwicklung und Verbesserung zu leisten.

Was ich beim Lesen vermisst habe, ist die konkrete Anwendung. Als Professor schreibt Günter Faltin ein wenig an der Wirklichkeit vorbei, auch wenn er einige Beispiele erfolgreicher Gründungen (auch seine eigenen) nennt. Diese wiederholen sich aber im Laufe des Buches, genau wie sich viele Aussagen oft wiederholen. Was mit fehlt, ist ein Beispiel aus der täglich Arbeit als Entrepreneur-Coach. Es blitzte kurz durch, als Faltin ein fitkives Gespräch mit einem Restaurantgründer beschreibt und mögliche Fragen auflistet, mit denen er das konkrete Projekt bewertet. Solch eine Fragen-Liste aus dem Alltag, mit der man seine konkrete Idee bewerten kann, wäre schön gewesen.

Ansonsten: Prädikat lesenswert.


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