„Man schreibt den Businessplan für sich selbst“

Kathrin Schubert ist Romanistin, Literatur- und Medienwissenschaftlerin. Als Buchautorin, Texterin und Lektorin unterstützt sie Existenzgründer und KMUs beim Markteintritt – von der Optimierung des Businessplanes bis hin zu professionellen Texten für Werbung und Websites. Wir sprachen mit der „Wortjongleurin“ über die Sprache im Businessplan.

Viele Existenzgründer kennen die Situation: Man hat eine spannende Geschäftsidee. Aber wenn man vor dem Computer sitzt und die Idee beschreiben will, fehlen einem die Worte. Wie schaffe ich den Einstieg?

Kathrin Schubert: Sortieren Sie Ihre Gedanken, dann kommen die Worte automatisch. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Klarheit über die eigenen Ideen zu verschaffen. Sehr hilfreich ist eine Mind-Map-Software (z. B. Freeplane oder Freemind): Beim Erstellen eines Baumdiagramms werden verschiedene Aspekte des Vorhabens skizziert und gleichzeitig das Profil geschärft. Aus den geordneten Stichwörtern formuliert man zunächst einfach gestrickte Sätze, die im Lauf des Schreibprozesses mit Details verfeinert werden.

Worte begeistern Menschen, Zahlen überzeugen Banker!

Jeder Gründer arbeitet für seinen Businessplan an der Geschäftsidee, recherchiert nach Marktzahlen und möglichen Firmenstandorten. Warum ist es wichtig, auch auf die Sprache und Form im Businessplan zu achten?

Kathrin Schubert: Viele Berater sind sich einig: Gründer müssen für ihre Idee „brennen“ und hundertprozentig dahinterstehen. Man schreibt diesen Plan zuallererst für sich selbst. Nur so kann man immer wieder prüfen, ob man seine Etappenziele erreicht hat und die Strategie neu überdenken. Ich kann jedoch zu Anfang schwer abschätzen, wer meinen Businessplan noch lesen wird. Eine Bank, die mich finanziell unterstützt? Experten, die mich Entscheidungsträgern weiterempfehlen? Stiftungen, die mir ein Stipendium gewähren? Potenzielle Kunden, die im Detail überzeugt werden wollen? Im Textteil des Businessplanes hat man die Chance, sich als hochqualifizierter Unternehmer darzustellen. Worte begeistern Menschen, Zahlen überzeugen Banker! Der Funke muss überspringen, jedes Kapitel mit Leben gefüllt werden – dann gewinnt man auch Skeptiker und Zweifler für eine geniale Geschäftsidee!

Schreibe ich meinen Businessplan in der „Ich-Perspektive“ oder spreche ich in der dritten Person von mir? Welche Vor- und Nachteile hat die jeweilige Perspektive?

Kathrin Schubert: Diese Entscheidung fällt jeder Gründer individuell. Entscheidend ist, wer angesprochen wird. Meines Erachtens kann man für einen Plan, der hauptsächlich für den Eigenbedarf geschrieben wird, die Ich-Perspektive einnehmen. Wenn er der Agentur für Arbeit, potenziellen Geschäftspartnern oder Banken vorgelegt wird, wirkt die dritte Person mitunter professioneller. Wichtig ist, auf Einheitlichkeit zu achten und klar eine Perspektive einzunehmen.

Gründer sind keine Bittsteller, sie werben für eine gute Geschäftsidee.

Für einen Gründerkredit oder den Gründungszuschuss muss man immer einen Businessplan vorlegen. Wie schaffe ich es als Gründer, die Bank oder Arbeitsagentur mit meinem Businessplan zu überzeugen? Welche Tipps haben Sie für die Sprache und Darstellung?

Kathrin Schubert: Selbstverständlich steht eine gute, tragfähige und langfristig lukrative Geschäftsidee im Vordergrund. Doch manche Vorhaben sind erst auf den zweiten Blick erfolgversprechend und brauchen schon im Businessplan eine gute PR. Gründer sind keine Bittsteller, sie werben für eine gute Geschäftsidee. Das selbstbewusst hervorzustellen ist sehr wichtig. Frei nach dem Motto „Ich weiß, wie gut meine Idee ist und ich werde sie verwirklichen. Wenn Ihr mich unterstützt, profitieren auch andere von meinem Erfolg.“ Immerhin planen viele Unternehmer von Anfang an, Personal einzustellen und wirtschaftliche Standorte attraktiver zu machen. Bei allem Optimismus darf man jedoch nicht die Risiko- und die Schwachstellenanalyse vergessen, denn jedes Unternehmen hat auch einen wunden Punkt. Kapitalgeber wollen wissen, ob der Gründer über hinreichende Erfahrungen  und Qualifikationen verfügt, um erfolgreich wirtschaften und Zinsen tilgen zu können. Text- und Zahlenteil des Planes müssen also in sich schlüssig sein und überzeugen.

Es gibt auch viele Businessplan-Vorlagen mit Textbausteinen. Was halten Sie als Text-Expertin von solchen Bausteinen? 

Kathrin Schubert: Jeder Businessplan ist einzigartig und beruht auf einem individuellen Gedankengerüst. Ein Textcoach hört zu, strukturiert und optimiert den Text, die Handschrift des Urhebers bleibt jedoch klar erkennbar. Mein Anspruch ist es, Gründer auf diesem „schriftlichen Weg“ zu begleiten, bis sie sich hundertprozentig mit ihrem Plan identifizieren. Diesen dynamischen Prozess leistet keine beliebige Vorlage. Um eine erste Idee vom Aufbau eines professionellen Businessplanes zu bekommen und eine Basis für die eigene Arbeit zu finden, empfehle ich Vorlagen, zum Beispiel der IHKs und Gründerzentren für die jeweiligen Branchen.

Vielen Dank für das Interview!



15. April 2013    Fabian Jaeckert    Gründung.



Kommentare

  • danke…:)

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