„Megatrends sind wie gemacht für Existenzgründer“

Wie können Existenzgründer gesellschaftliche Megatrends für sich nutzen? Das haben wir uns gefragt und mit Petra Janeczka gesprochen, die Strategieberaterin und akkreditierte KfW-Beraterin ist. Im Interview erklärt sie, warum Existenzgründer auf Megatrends setzen sollten und gibt viele konkrete Beispiele quer durch alle Branchen.

Viele Existenzgründer eröffnen ein ganz normales Geschäft wie einen Friseursalon, einen Handwerksbetrieb oder ein Restaurant. Warum sollte man sich überhaupt mit „Megatrends “beschäftigen?

Petra Janeczka: Sie haben Recht, viele Existenzgründer sind sehr bodenständig und gründen ein ganz klassisches Unternehmen. Und man merkt dann relativ schnell nach der Gründung, dass man etwas braucht, um Kunden anzulocken. Viele gehen dann über Billigpreise und ruinieren sich so gleich zu Beginn. Wer wirklich erfolgreich sein will, muss einen anderen Weg gehen: Man muss sich fragen, wie man sich von seiner Konkurrenz unterscheidet. Und Megatrends helfen dabei.

Ein Megatrend beeinflusst die Gesellschaft über mindestens 30 Jahre lang.“

Was ist eigentlich ein Megatrend?

Petra Janezcka: Ein Megatrend beeinflusst die Gesellschaft über mindestens 30 Jahre lang. Es gibt verschiedene Forschungsinstitute, die sich mit Megatrends beschäftigen. Ein Megatrend ist zum Beispiel die alternde Gesellschaft. Die Menschen werden immer älter. Gleichzeitig fühlen sich viele Ältere sehr jung und sind auch nach dem Arbeitsleben noch sehr aktiv.

Können Sie das an einem konkreten Beispiel erklären, wie man als Existenzgründer Megatrends für sich nutzen kann?

Petra Janeczka: Ich habe zum Beispiel kürzlich eine neu gegründete Bäckerei besucht.  Alle Brote und Brötchen, die angeboten wurden, waren reine Bio-Produkte. Außerdem war die Backstube mitten in der Bäckerei. Das Ergebnis: Die Kunden freuen sich darauf, in der Schlange zu stehen! Sie können dem Bäcker Fragen stellen und die Kinder können live mitangucken, wie ihre Sonntagsbrötchen entstehen. Die Bäckerei hat auf zwei Megatrends gesetzt. Erstens: Nachhaltigkeit. Die Menschen wollen hochwertige, ökologische Lebensmittel kaufen. Zweitens: Transparenz. Die Menschen möchten sehen, wer die Produkte herstellt und wie die Produkte geformt werden.

Das hört sich nach einer tollen Idee an. Aber wie komme ich denn auf solche kreativen Geschäftsideen?

Petra Janezcka: Indem man die Augen und Ohren offen hält. Indem man seine Zielgruppe befragt. Indem man sich auch selbst fragt: Was stört mich eigentlich in meiner Branche und was könnte ich besser machen? Es ist auch eine Frage der grundsätzlichen Herangehensweise, wenn man von Anfang an etwas anders machen möchte als alle anderen. Entweder man kommt von alleine darauf. Oder man sucht sich einen guten Unternehmensberater, der solche Fragen mit bedenkt. Zumal solche Gründerberatungen ja auch durch die KfW-Bank gefördert werden.

Aber macht es Sinn, immer einem Megatrend „hinterherzulaufen“?

Petra Janeczka: Es kommt immer darauf an, ob man den Megatrend auch früh genug erkannt hat und eine Lücke im regionalen Markt vorhanden ist. Aber man kann auch den umgekehrten Weg gehen und auf einen Gegentrend setzen.

Angst ist ein sehr lähmender Zustand. Wer vor Angst erstarrt, findet keine Lösungen.“

Ein Gegentrend? Haben Sie auch dafür ein Beispiel?

Petra Janeczka: Zum Beispiel gibt es den Megatrend Mobilität. Alles muss immer schneller gehen. Man sieht das zum Beispiel am Erfolg von „Coffee to go“. In der Stadt rennen alle Menschen mit heißen Pappbechern durch die Gegend. Aber es gibt eben auch den Gegentrend der bewussten Langsamkeit. Zum Beispiel setzen manche neuen Cafés bewusst auf eine stressfreie Atmosphäre. Dort gibt es sehr guten Kaffee und Kuchen, die Musik ist ruhig und leise. Und es gibt auch kein WLAN, damit nicht alle mit ihren Laptops und Handys vor Ort arbeiten.

Ihr Café-Beispiel ist ein typisches Stadtphänomen. Aber was ist auf dem Land? Gibt es auch dort Gegentrend-Bewegungen?

Petra Janezcka: Natürlich! Zum Beispiel gibt es in immer mehr bayerischen Dörfern in meiner Umgebung neue „Tante Emma“-Läden. Sie sind der Gegentrend zu den Billig-Supermärkten, die sich in den vergangenen 50 Jahren überall verbreitet haben. Ich habe aber nichts gegen Supermärkte! Es kommt aber auch immer darauf an, welche Zielgruppe man ansprechen möchte. Außerdem kaufen viele Menschen heute sowohl im Supermarkt als auch im Tante Emma-Laden ein. Es ist für sie kein Widerspruch.

Viele Menschen erleben einen Megatrend persönlich als Krise. Zum Beispiel werden durch das Internet zahlreiche Arbeitsplätze bedroht. Wie sollte man damit umgehen?

Petra Janezcka: Angst ist ein sehr lähmender Zustand. Wer vor Angst erstarrt, findet keine Lösungen. Häufig muss man als Berater erst einmal daran arbeiten, solche Blockaden zu lösen. Meine Herangehensweise ist immer: Jeder Megatrend birgt große Chancen in sich! Gerade Existenzgründer haben gute Voraussetzungen, um diese Chancen auch zu nutzen. Sie sind oft jung, mutig und viel flexibler als große Unternehmen. Sie können mehr bewegen, weil sie ganz vorne etwas Neues aufbauen. Megatrends sind wie gemacht für Existenzgründer.

Vielen Dank für das Interview! Über unsere Datenbank gibt es die Möglichkeit, mit einem Gründerberater aus Ihrer Nähe Kontakt aufzunehmen. Die Unternehmensberater sind darauf spezialisiert, Existenzgründer in der Startphase und in der Aufbauphase zu begleiten und zu beraten.

Das Interview führte Benjamin O’Daniel für Existenzgründer-Jungunternehmer.de.

Foto Copyright: Petra Janeczka



8. Juli 2013    Fabian Jaeckert    Gründung Weiterbildung.