Die Existenzgründerberatung - Kosten, Fakten und Beispiele

Was ist eine Existenzgründungsberatung?

Jeder Existenzgründer hat eine lange Liste: Geschäftsidee entwickeln, Kalkulation erstellen, Kredit besorgen, Marketing planen – und vieles mehr. Entweder man erledigt alle Aufgaben alleine. Oder man sucht sich von Anfang an professionelle Unterstützung.

Und genau darum geht es bei einer Existenzgründerberatung: Professionelle Unternehmensberater stehen Existenzgründern und Jungunternehmern zur Seite. Für die persönliche Unterstützung gibt es Förderprogramme, so dass man nicht zu viel Geld zahlen muss.

Wir wollen auf dieser Themenseite so viele Fragen wie möglich beantworten:

6 Gründe für einen Gründerberater

In vielen Lebensbereichen gibt es heutzutage Beratungen. Zum Beispiel lassen sich viele Manager beraten, wenn sie Führungskräfte werden. Es gibt auch Beratungen und Coachings für Berufseinsteiger oder für Berufstätige, die den Job wechseln wollen. Aber was macht ein Gründercoach oder eine Gründerberaterin? Er oder Sie...

  • Entwirft mit Ihnen einen Businessplan für die Gründung. Viele Existenzgründer haben zwar eine grobe Geschäftsidee, wissen aber nicht, wo und wie sie anfangen sollen. Andere Gründer beherrschen zwar ihr Handwerk, haben aber noch keine Erfahrung in der Gründung eines Unternehmens.

  • Hilft Ihnen beim Bankgespräch. Viele Banken sind heutzutage sehr zurückhaltend bei der Kreditvergabe. Existenzgründer müssen ihr Vorhaben sehr sorgfältig vorbereiten und gut argumentieren, wenn sie eine Bank überzeugen wollen.

  • Hört Ihnen zu und hilft bei Entscheidungen. Viele Existenzgründer suchen jemanden, der ihnen zuhört und ihnen ein kritisches, aber konstruktives Feedback gibt. So, dass man weiter kommt mit seinen Ideen. Freunde und Verwandten helfen da meistens nicht. Sie verstehen selten, worum es geht. Wer lange über eine Sache nachdenkt, hängt irgendwann in einer Endlos-Schleife. Man kann sich nicht entscheiden und ist blockiert. Ein Gründercoach hilft dabei, die einzelnen Punkte abzuwägen und Entscheidungen zu treffen. So kommt man als Gründer weiter.

  • Kennt den Markt und Wettbewerb. Als Existenzgründer ist man automatisch auf sich bezogen. Viele haben eine Idee, die sich gut anhört. Aber setzt man sich damit auch auf dem Markt durch? Wie steht es um den Wettbewerb? Existenzgründerberater kennen den Markt und können die Lage gut einschätzen.

  • Hat Werbung und Marketing im Blick. Viele Menschen können sich selbst nicht loben. Sie stellen ihre Leistung eher schlecht dar oder finden nicht die richtigen Worte. Aber genau das ist nötig, um Kunden zu gewinnen. Ein Gründercoach hat auch die Außendarstellung und die Werbung im Blick.

  • Spart Kosten. Nichts ist so teuer wie eine schlecht vorbereitete Gründung. Wer am Anfang schludert, bekommt schnell Probleme. Die Kunden bleiben aus und man verdient nichts. Das heißt: Das Geld, das ein Gründerberater kostet, holt man im Idealfall schnell wieder rein. Es ist eine Investition in die Zukunft. 

Eine Existenzgründung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es gibt zahlreiche Formulare und Behördengänge. Deutschland ist ein Land voll Bürokratie. Das macht alles andere als Spaß. Ein Gründerberater motiviert und treibt an, den inneren Schweinehund zu besiegen.

3 echte Beispiele für eine erfolgreiche Beratung

Ein Gründercoaching ist eine individuelle, persönliche Existenzgründerberatung. Was das bedeutet, können Sie in unseren Interviews nachlesen. Wir haben drei Gründer und ihre Gründerberater gemeinsam befragt.

„Mein Geschäft wächst Stück für Stück. Mir persönlich tat es gut, etwas Eigenes zu machen und vorab beraten zu werden.“

Christina Davids hat sich nach der Familienphase als Schmuckdesignerin selbstständig gemacht. Zum Interview.


„Es ist gut, wenn man jemanden an der Seite hat, der zwischen den ganzen Zahlen immer den Durchblick hat und sagt, wo man aufpassen muss.“

Steffen Jülke hat über seine Gründerberaterin eine Bank gefunden, die ihm einen Kredit gegeben hat. Zum Interview.


„Viele Gründer sagen, dass sie keinen Gründerberater brauchen. Ich verstehe das nicht. Im Gegenteil – ich frage mich: Wie will man es eigentlich ohne einen Berater schaffen?“

Matthias Proske sucht immer nach Feedback, um sein Geschäft weiterzuentwickeln. Zum Interview.

Wie viel kostet mich eine Gründerberatung?

Eine Existenzgründungsberatung zahlen Sie in der Regel aus der eigenen Tasche. So wie Sie auch selbst bezahlen, wenn Sie zu einem Steuerberater oder einem Architekten gehen. Allerdings gibt es bei einer Gründerberatung ein Förderprogramm. Und dieses Förderprogramm nennt sich "Gründercoaching Deutschland". 

Das Gründercoaching Deutschland ist ein Förderprogramm, bei dem zwischen 50 und 75 Prozent der Kosten bezuschusst werden. Das heißt: Man zahlt auf jeden Fall für eine Beratung, bekommt aber einen großen Teil erstattet. Die KfW Bank selbst schreibt auf Ihrer Seite dazu:

„Sie erhalten einen Zuschuss zum Honorar eines Unternehmensberaters der KfW-Beraterbörse. Das Nettohonorar Ihres Beraters kann bis zu 6.000 Euro betragen, das förderfähige Tageshonorar bis zu 800 Euro netto.“

Die Tagessätze der Unternehmensberater liegen häufig zwischen 600 und 800 Euro pro Tag für ein Gründercoaching. Ein vereinfachtes Rechenbeispiel

Bei einem Berater, der 600 Euro pro Tag kostet, kann man 10 volle Tage beraten werden. 6.000 Euro ist das Maximum, das bezuschusst wird. Davon werden 4.500 Euro (75 Prozent) oder 3.000 Euro (50 Prozent) übernommen. Als Gründer zahlt man also 1.500 Euro bzw. 3.000 Euro für das Gründercoaching.  

  • 75 Prozent Zuschuss gilt für die neuen Bundesländer sowie in den Regionen Brandenburg-Südwest, Lüneburg, Leipzig und Halle.

  • 50 Prozent Zuschuss gilt in den alten Bundesländern sowie in Berlin.

  • Neben dem Programm „Gründercoaching Deutschland“ weitere Fördermittel-Töpfe, je nach Bundesland! Darüber wissen die Gründerberater sehr gut bescheid. Dies erfährt man in einem persönlichen Gespräch.

(Stand: 08/2014. Alle Angaben ohne Gewähr.)

Natürlich muss man nicht immer die vollen zehn Tage beraten werden. Manchmal sind es auch bloß fünf oder drei Tage. Das kommt darauf an, wie sehr Sie sich schon darauf vorbereitet haben. Den Umfang der Beratung klärt man am besten in einem Telefongespräch oder einem persönlichen Gespräch vor Ort.

Was ist eine gute Existenzgründungsberatung wert?

Manch ein Existenzgründer schluckt erst einmal, wenn er hört, wie viel Geld ein solches Gründercoaching kostet - obwohl es sogar stark bezuschusst wird. Verständlich: Schließlich haben die meisten Existenzgründer wenig Geld auf dem Konto und benötigen einen Kredit für ihr Vorhaben.

Auf der anderen Seite: Sehr viele Existenzgründer unterschätzen, wie aufwendig es ist, ein erfolgreicher Selbstständiger zu werden. Und wie teuer es ist, wenn man keinen Erfolg hat. Als Gründer muss man zahlreiche wichtige Entscheidungen treffen. Fünf Fragen, die immer wieder auftauchen:  

  • Wie überzeuge ich meine Bank, mir einen Kredit zu geben?
  • Wie schaffe ich es, dass Kunden in mein Geschäft kommen?
  • Wie setze ich mich gegen die etablierten Konkurrenten durch?
  • Wie kann ich kalkulieren, wie viel ich in Zukunft verdienen werde?
  • An welchem Standort sollte ich mein Geschäft eröffnen?

Allein in diesen fünf Fragen steckt viel Arbeit. Und wenn man einfach spontan entscheidet (Standort) oder sich nicht im Detail darum kümmert (Kalkulation) oder nur eine grobe Vorstellung hat (Konkurrenz) tauchen schnell Probleme auf.  

Wenn man dagegen erfolgreich startet und deswegen pro Monat 1.000 Euro mehr verdient, hat man die Gründerberatung in zwei Monaten wieder eingespielt. Danach hat man dauerhaft mehr Einnahmen.

Natürlich ist ein Gründercoaching keine Garantie für einen Erfolg. Aber es erhöht die Chancen, erfolgreich zu starten. Weil man als Gründer von der Erfahrung, dem Expertenwissen und den persönlichen Gesprächen mit seinem Berater profitiert.

Was beinhaltet das Gründercoaching Deutschland?

Das Gründercoaching Deutschland hilft speziell Existenzgründern in der Startphase und der „Festigungsphase“ in den ersten Jahren. Es wird eine Reihe von Themen gefördert. Dazu zählen unter anderem:

  • Der Businessplan: Der Businessplan oder Geschäftsplan beschreibt, was man als Gründer vorhat. Ohne Businessplan erhält man in der Regel keinen Kredit von einer Bank. Mehr dazu auch auf unseren Seiten zum Businessplan.

  • Finanzierungsgespräche mit Banken: Das Gespräch mit einem Bankvertreter sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Banken schauen sehr genau hin. Dazu auch unser Experten-Interview zum Bankgespräch.

  • Marktanalysen: Wie sind die Wettbewerber aufgestellt und wie unterscheide ich mich? Hier mehr Informationen zur Markt- und Wettbewerbsanalyse.

Allerdings werden längst nicht alle Themen durch ein Gründercoaching abgedeckt. Alle Themen rund um Steuer und Versicherungen werden beispielsweise nicht gefördert. Hier macht es Sinn, sich entweder selbst einzuarbeiten oder ebenfalls beraten zu lassen.

Welche Versicherungen man als Gründer braucht und welche nicht, haben wir auf folgenden Seiten zusammengestellt: „Versicherungen für Existenzgründer“.

Wie beantrage ich das Gründercoaching Deutschland?

Bei der Beantragung wird man als Gründer von der KfW Bank unterstützt oder von den Gründerberatern selbst.

Man braucht also zunächst einen persönlichen Gründerberater. Mit dem Berater werden dann die jeweiligen Schwerpunkte und Dauer der Beratung abgesprochen. Danach wird ein Antrag bei der KfW Bank für das Gründercoaching Deutschland gestellt.

Ein rechtsgültiger Vertrag sollte erst abgeschlossen werden, wenn Sie die Bewilligung der KfW Bank haben. Beim Antrag hilft Ihnen auch Ihr Gründerberater.

Über unsere Datenbank finden Sie einen persönlichen Existenzgründerberater in Ihrer Nähe. Stellen Sie jetzt kostenlos und unverbindlich eine Anfrage. Innerhalb kurzer Zeit wird sich ein Gründercoach bei Ihnen melden. 

Wie finde ich den richtigen Gründercoach?

Ein Gründercoaching ist ein sehr intensiver Prozess. Es ist eine persönliche Eins-zu-Eins-Beratung und kein Vergleich zu einem Seminar, bei dem man sich auch einmal zurücklehnen und berieseln lassen kann.

Gründercoach und Existenzgründer arbeiten sehr eng miteinander – und das muss auch so sein! Schließlich soll Ihre Existenzgründung erfolgreich verlaufen

Folgende drei Möglichkeiten, wie Sie einen persönlichen Gründercoach finden können:

  • Persönliche Empfehlung: Kennen Sie einen Existenzgründer, der/die an einem Gründercoaching teilgenommen hat? Dann fragen Sie bei Ihrem persönlichen Kontakt nach, wie das Gründercoaching gelaufen ist und ob der Berater oder die Beraterin weiter empfohlen wird.

  • Unsere Datenbank: Existenzgründer-Jungunternehmer.de hat eine eigene Datenbank, in der pro Region Gründercoaches zugeordnet sind. Hier können Sie kostenlos Kontakt zu einem Berater aus Ihrer Region aufnehmen und erst einmal unverbindlich über Ihre Gründung sprechen.

  • Beraterbörse der KfW-Bank: In der Beraterbörse der KfW-Bank, die auch die Fördermittel bewilligt, finden sich rund 19.000 Gründercoaches. Es gibt vielfältige Sortierungsmöglichkeiten, unter anderem nach Fachgebieten, Tagessätzen und Beratungsprodukten. 

 

Wenn Sie einen Gründercoach kontaktieren, sollten Sie auf fachliche und persönliche Dinge achten:

  • Wie ist ihr erster Eindruck? Wie bei einem privaten Kennenlernen auch, merkt man meistens sehr schnell, ob man miteinander auskommt oder nicht. Sie und Ihr Berater müssen eine gemeinsame Wellenlänge finden!

  • Welches Wissen hat der Berater? Kennt der Gründercoach Ihre Branche oder benachbarte Branchen? Welche Erfahrungen hat er oder sie in diesem Bereich gemacht?

  • Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Sprechen Sie nicht nur über Ihre Fragen, sondern auch darüber, wie die Zusammenarbeit abläuft. Wann und wie häufig finden Treffen statt, was müssen Sie vorbereiten etc.

Was sollten Sie vorher tun?

Natürlich können Sie „einfach mal so“ einen Gründerberater anrufen. Aber meistens ist es verschenkte Zeit – für Sie und für den Berater. Wenn Sie einfache, schnell lösbare Fragen haben (wie etwa die Telefonnummer der IHK), macht es Sinn, noch einmal im Netz zu recherchieren.

Wenn Sie aber eine wichtige, tiefergehende Frage oder gar mehrere Fragen haben, dann erstellen Sie vorab eine Liste. So können Sie strukturiert Ihre Fragen abarbeiten und sehen, ob und wie Ihnen der Berater helfen kann.

Die Berater selbst berechnen Ihre Arbeit in Tagessätzen. Wenn Sie also drei bis fünf Themenblöcke haben, kann Ihnen der Berater sagen, wie viel die Existenzgründungsberatung ungefähr kosten wird.

Stellen Sie sich auch vorab grundsätzliche Fragen zu sich selbst: Sind Sie bereit und offen, dass Sie jemand von Außen unterstützt? Was erwarten Sie von Ihrem persönlichen Berater? Wie viel Geld sind Sie bereit auszugeben?

Und vor allem: Sind Sie bereit, an Ihrer Gründungsidee zu arbeiten? Denn ein Gründercoach kann Ihnen die Arbeit nicht abnehmen! Aber er kann Sie unterstützen, erfolgreich zu starten.