Experten-Interview: So läuft eine Betriebsübernahme ab

Ernst Mennesclou
Ernst Mennesclou

Ernst Mennesclou ist langjähriger Unternehmensberater und Gründercoach. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind Nachfolgeregelungen. Diese sind häufig sehr komplex. Daher greifen viele Senior-Unternehmer oder ihre Nachfolger auf externe KMU-Berater zurück und lassen sich bei der Planung und Übernahme professionell unterstützen

Zum Beispiel von Ernst Mennesclou. Er berät Firmeneigentümer und Nachfolger in betriebswirtschaftlichen Fragen und in der strategischen Ausrichtung. Wir haben mit ihm über die Betriebsübernahme gesprochen:

 

Betriebsübernahme ist ein sehr abstrakter Begriff. Können Sie einen konkreten Fall aus Ihrer Beratung nennen und beschreiben, wie Sie vorgegangen sind?

Ernst Mennesclou: Zum Beispiel kam kürzlich eine ältere Unternehmerin mit ihrem Schwiegersohn zu mir. Der Schwiegersohn hatte den Betrieb übernommen. Er hatte bereits länger in Teilzeit den Betrieb geführt, während die ältere Unternehmerin praktisch schon halb im Ruhestand war. Schließlich wollte er sich jetzt „richtig“ selbstständig machen und die Dinge regeln.

 

Das hört sich doch perfekt an. Eigentümerin und Nachfolger kennen sich und die Firma gut. Das dürfte doch kein Problem sein.

Mennesclou: Auf den ersten Blick ist alles klar und einfach. Aber eben nur auf den ersten Blick. Es hat sich schnell gezeigt, dass es vielfältige Themen und Probleme gab, die wir dringend angehen mussten.

 

Zum Beispiel?

Mennesclou: Es wurde bei dem Betrieb nie richtig in die Zahlen geschaut. Der Betrieb war an einen größeren Betrieb angegliedert, der ebenfalls zur Familie gehörte. Die Einnahmen aus der „Mutterfirma“ reichten aus, wodurch der kleinere Betrieb nicht konsequent genug geführt und ausgewertet wurde. Als wir die BWA – die betriebswirtschaftliche Auswertung – genauer analysiert haben, kam heraus: Der Betrieb, den der Schwiegersohn übernommen hatte, machte jeden Monat Minus.

 

Ok, das hört sich nicht gut an. Und woran lag es?

Mennesclou: Der Knackpunkt waren die Personalkosten. Hier lag der größte Kostenblock. Es wurde nicht festgehalten, wie viel Zeit die Mitarbeiter  für die jeweiligen Arbeiten benötigten. Somit liegt keine Auslastungsplanung vor, es konnte keine richtige Kalkulation für Einzel- und Gesamtaufträge erstellt werden. Ob die Preise richtig kalkuliert waren, kann nicht kontrolliert werden. Und somit ergab sich ein monatliches Minus. Das war niemandem vorher klar.

 

Wie sind Sie im Rahmen des Nachfolge-Coachings weiter vorgegangen?

Mennesclou: Die Mitarbeiter müssen in Zukunft exakt festhalten, wie lang sie für welche Arbeiten brauchen. So können wir erst einmal den Arbeitsaufwand genau erfassen. Jede Stunde, die vielleicht verbummelt wird, kostet schließlich Geld. Auf dieser  Basis können dann die Stundensätze genau berechnet werden. Evtl. müssen bestehende Verträge sogar preislich angepasst werde, neue Aufträge dann korrekt kalkuliert, abgeschlossen werden.   

Auch in der Mitarbeiterführung muss anders gearbeitet werden. Dafür muss der Schwiegersohn seinen Führungsstil verändern. Er steht jetzt in der Verantwortung und muss konsequenter werden. Das ist auch für ihn eine große Herausforderung. Bei wichtigen Mitarbeitergesprächen habe ich ihn begleitet und unterstützt. Die Mitarbeiter müssen realisieren, dass wir den Betrieb wieder in die schwarzen Zahlen führen müssen. Es wurden Spielregeln eingeführt, nach denen sich alle richten müssen und eine effektive und erfolgreiche Zusammenarbeit gewährleisten.  

 

Kann das der neue Geschäftsführer nicht alleine?

Mennesclou: Theoretisch ja. Aber: Der Prophet im eigenen Lande zählt nichts. So ist es auch oft in Unternehmen. Wenn die Chefin oder der Chef etwas sagt, hören die Mitarbeiter nur halb zu. Wenn von außen jemand kommt und die Situation schildert, sind auf einmal alle wach. Durch die Beratung können Veränderungsprozesse besser angeschoben und entschieden werden.

 

Ist Ihre Arbeit damit erledigt?

Mennesclou: Nein, die betriebswirtschaftlichen Details sind nur ein Aspekt meiner Arbeit. Es geht um ein Gesamtkonzept: Wie will sich der Betrieb in Zukunft auf dem Markt positionieren? Für eine professionelle Existenzgründung braucht die Gründerin einen nach strategischen Gesichtspunkten erstellten Businessplan: Was ist das Besondere an dem Betrieb? Was ist sein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Betrieben? Dieses Merkmal muss gefunden werden und dann per Marketing verbreitet werden. Nur so setzt man sich gegenüber der Konkurrenz durch.

Wenn man nicht an seinem Alleinstellungsmerkmal arbeitet, kann man nur über Billigpreis neue Kunden gewinnen. Aber diese Strategie endet häufig im Ruin.

 

Und was ist das Alleinstellungsmerkmal in diesem Betrieb?

Mennesclou: Zum einen die sehr gute Aus- und Weiterbildung der Inhaber und Mitarbeiter. Die lange berufliche Spezialisierung in dieser Branche, verbunden mit der vorhandenen technischen Betriebsausstattung.  Sowie ein auf die Kunden zugeschnittenes Leistungsprofil, das auf jeden einzelnen Kunden abgestimmt wurde.

Dies alles muss aber noch über eine eigene Webseite, neuen  Flyern und passendes  Marketing geplant und erstellt werden.  

 

Welche Fördermittel gibt es für eine solche Beratung?

Mennesclou: Es gibt in diesem Fall zwei Fördertöpfe. Zunächst habe ich die bisherige  Besitzerin beraten. Hierzu gibt es einen Fördertopf des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), speziell für Betriebsübernahmen. Über den Fördertopf können 50 Prozent der Beratungskosten übernommen werden.

Nachdem sich der Schwiegersohn selbstständig gemacht hat, haben wir das „Gründercoaching Deutschland“ beantragt. Auch hier wird ein bestimmter Prozentsatz übernommen, der sich von Bundesland zu Bundesland unterscheidet.

Die meisten Unternehmer und Nachfolger kennen die Fördermöglichkeiten nicht. Sie verschenken bares Geld. Auch das gehört zu meiner Beratung dazu: Zeigen, welche Fördertöpfe es gibt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Grafik: Beratung vor Übergabe

Betriebsübernahme: Beratung

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