Veröffentlicht in: Werbung
09.05.2013

Warum haben viele Existenzgründer keine eigene Internetseite?

Eine neue Meldung schwappte kürzlich in unseren Posteingang: Nicht einmal jedes zweite kleine Unternehmen hat eine eigene Internetseite. Das hat eine Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom ergeben. Bei kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern haben nur 45 Prozent einen Internetauftritt (hier mehr dazu).

Zu den kleinen Unternehmen gehören auch Existenzgründer. Obwohl fast alle tagtäglich im Netz surfen, verzichten viele Gründer auf einen eigenen professionellen Online-Auftritt. Warum eigentlich?

Wer mit Existenzgründern spricht, hört häufig drei klassische Argumente:

  • „Ein Internetauftritt ist mir zu teuer.“ Gerade in der Gründungsphase muss man jeden Euro zweimal umdrehen. Da ist es verständlich, dass viele Gründer hohe Investitionskosten scheuen und keine Agentur beauftragen wollen.
  • „Dafür habe ich keine Zeit.“ Fast alle Gründer arbeiten in der Startphase sehr hart. Sie bedienen Kunden und kümmern sich um organisatorische Dinge. Für „Internet-Kram“ haben sie keine Nerven und keine Zeit.
  • „Ich weiß nicht, was ich auf die Seite schreiben soll.“ Viele Gründer beherrschen ihr Handwerk perfekt. Nur tun sie sich schwer damit, ihre eigenen Leistungen oder Angebote professionell zu beschreiben.

Das Problem an diesen Argumenten: Sie greifen zu kurz!

  • Ein Internetauftritt muss nicht teuer sein. Bei Anbietern wie Jimdo kann man sich schon für 60 Euro bzw. 180 Euro pro Jahr eine eigene Webseite zusammenstellen. Mit ein paar Klicks ohne technisches Verständnis oder komplizierten Vorgängen.  
  • Keine Zeit für Internet? Das Marketing ist wesentlicher Bestandteil der unternehmerischen Aufgaben. Von alleine kommen die Kunden nicht. Und gerade übers Internet suchen immer mehr Menschen nach lokalen Angeboten.  
  • Was schreibe ich auf meine eigene Webseite? Das ist keine einfache Frage. Eine erste Schreibhilfe geben wir in diesem Kapitel. Vielleicht sind die Texte zu Beginn nicht perfekt. Aber allemal besser als gar nichts.
Veröffentlicht in: Businessplan/Software/Werbung
15.04.2013

„Man schreibt den Businessplan für sich selbst“

Kathrin Schubert berät Existenzgründerinnen und Existenzgründer in Bayern.

Kathrin Schubert ist Romanistin, Literatur- und Medienwissenschaftlerin. Als Buchautorin, Texterin und Lektorin unterstützt sie Existenzgründer und KMUs beim Markteintritt – von der Optimierung des Businessplanes bis hin zu professionellen Texten für Werbung und Websites (hier mehr Infos). Wir sprachen mit der „Wortjongleurin“ über die Sprache im Businessplan.

Viele Existenzgründer kennen die Situation: Man hat eine spannende Geschäftsidee. Aber wenn man vor dem Computer sitzt und die Idee beschreiben will, fehlen einem die Worte. Wie schaffe ich den Einstieg?

Kathrin Schubert: Sortieren Sie Ihre Gedanken, dann kommen die Worte automatisch. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Klarheit über die eigenen Ideen zu verschaffen. Sehr hilfreich ist eine Mind-Map-Software (z. B. Freeplane oder Freemind): Beim Erstellen eines Baumdiagramms werden verschiedene Aspekte des Vorhabens skizziert und gleichzeitig das Profil geschärft. Aus den geordneten Stichwörtern formuliert man zunächst einfach gestrickte Sätze, die im Lauf des Schreibprozesses mit Details verfeinert werden.

Worte begeistern Menschen, Zahlen überzeugen Banker!

Jeder Gründer arbeitet für seinen Businessplan an der Geschäftsidee, recherchiert nach Marktzahlen und möglichen Firmenstandorten. Warum ist es wichtig, auch auf die Sprache und Form im Businessplan zu achten?

Kathrin Schubert: Viele Berater sind sich einig: Gründer müssen für ihre Idee „brennen“ und hundertprozentig dahinterstehen. Man schreibt diesen Plan zuallererst für sich selbst. Nur so kann man immer wieder prüfen, ob man seine Etappenziele erreicht hat und die Strategie neu überdenken. Ich kann jedoch zu Anfang schwer abschätzen, wer meinen Businessplan noch lesen wird. Eine Bank, die mich finanziell unterstützt? Experten, die mich Entscheidungsträgern weiterempfehlen? Stiftungen, die mir ein Stipendium gewähren? Potenzielle Kunden, die im Detail überzeugt werden wollen? Im Textteil des Businessplanes hat man die Chance, sich als hochqualifizierter Unternehmer darzustellen. Worte begeistern Menschen, Zahlen überzeugen Banker! Der Funke muss überspringen, jedes Kapitel mit Leben gefüllt werden – dann gewinnt man auch Skeptiker und Zweifler für eine geniale Geschäftsidee!

Schreibe ich meinen Businessplan in der „Ich-Perspektive“ oder spreche ich in der dritten Person von mir? Welche Vor- und Nachteile hat die jeweilige Perspektive?

Kathrin Schubert: Diese Entscheidung fällt jeder Gründer individuell. Entscheidend ist, wer angesprochen wird. Meines Erachtens kann man für einen Plan, der hauptsächlich für den Eigenbedarf geschrieben wird, die Ich-Perspektive einnehmen. Wenn er der Agentur für Arbeit, potenziellen Geschäftspartnern oder Banken vorgelegt wird, wirkt die dritte Person mitunter professioneller. Wichtig ist, auf Einheitlichkeit zu achten und klar eine Perspektive einzunehmen.

Gründer sind keine Bittsteller, sie werben für eine gute Geschäftsidee.

Für einen Gründerkredit oder den Gründungszuschuss muss man immer einen Businessplan vorlegen. Wie schaffe ich es als Gründer, die Bank oder Arbeitsagentur mit meinem Businessplan zu überzeugen? Welche Tipps haben Sie für die Sprache und Darstellung?

Kathrin Schubert: Selbstverständlich steht eine gute, tragfähige und langfristig lukrative Geschäftsidee im Vordergrund. Doch manche Vorhaben sind erst auf den zweiten Blick erfolgversprechend und brauchen schon im Businessplan eine gute PR. Gründer sind keine Bittsteller, sie werben für eine gute Geschäftsidee. Das selbstbewusst hervorzustellen ist sehr wichtig. Frei nach dem Motto „Ich weiß, wie gut meine Idee ist und ich werde sie verwirklichen. Wenn Ihr mich unterstützt, profitieren auch andere von meinem Erfolg.“ Immerhin planen viele Unternehmer von Anfang an, Personal einzustellen und wirtschaftliche Standorte attraktiver zu machen. Bei allem Optimismus darf man jedoch nicht die Risiko- und die Schwachstellenanalyse vergessen, denn jedes Unternehmen hat auch einen wunden Punkt. Kapitalgeber wollen wissen, ob der Gründer über hinreichende Erfahrungen  und Qualifikationen verfügt, um erfolgreich wirtschaften und Zinsen tilgen zu können. Text- und Zahlenteil des Planes müssen also in sich schlüssig sein und überzeugen.

Es gibt auch viele Businessplan-Vorlagen mit Textbausteinen. Was halten Sie als Text-Expertin von solchen Bausteinen? 

Kathrin Schubert: Jeder Businessplan ist einzigartig und beruht auf einem individuellen Gedankengerüst. Ein Textcoach hört zu, strukturiert und optimiert den Text, die Handschrift des Urhebers bleibt jedoch klar erkennbar. Mein Anspruch ist es, Gründer auf diesem „schriftlichen Weg“ zu begleiten, bis sie sich hundertprozentig mit ihrem Plan identifizieren. Diesen dynamischen Prozess leistet keine beliebige Vorlage. Um eine erste Idee vom Aufbau eines professionellen Businessplanes zu bekommen und eine Basis für die eigene Arbeit zu finden, empfehle ich Vorlagen, zum Beispiel der IHKs und Gründerzentren für die jeweiligen Branchen.

Vielen Dank für das Interview!

 

Mehr Informationen zum Thema Businessplan gibt es auch in unserem entsprechenden Kapitel.

Veröffentlicht in: Gründung
19.03.2013

Existenzgründer: Erst verlacht, dann bekämpft, dann anerkannt

Screenshot: Droid Boy/Nerdhub.

Wer Gunter Dueck nicht kennt, der stutzt erst einmal. Soll das jetzt der Hauptredner des Abends sein? Ein Mathematiker, der wie zufällig auf die Bühne schlendert und mit leiser Stimme Geschichten aus seinem Arbeitsleben erzählt?

Wer Gunter Dueck schon einmal gesehen hat, der weiß: Der frühere IBM-Innovations-Chef ist kein Trampeltier, kein schreiender Alleswisser, die man auf Deutschlands Podien und TV-Shows immer wieder findet. Dafür ist der Heidelberger Philosoph, Schriftsteller und Unternehmensstratege viel zu feingeistig.

Austeilen kann Gunter Dueck trotzdem gut. Besonders gegen alle, die neue Ideen verhindern. Und davon gibt es in Deutschland ziemlich viele.

Das Neue und seine Feinde“ heißt das neue Buch von Gunter Dueck. Am Montagabend hat er es in Köln vorgestellt. Eingeladen hatte ihn der Kölner Inkubator und Gründer-Supporter STARTPLATZ. Rund 250 Unternehmer und Technikinteressierte hörten zu, wie der etwas andere „Guru“ die gängigen Gründer-Vorstellungen auf den Kopf stellte.

  • Beispiel Businessplan: Den Businessplan nennt Gunter Dueck „die erzwungene Lüge für die Bank“. Man solle einfach die übliche Gewinnanstiegs-Kurve aus  den Büchern abmalen, um einen Kredit zu bekommen. Mit der Realität habe das wenig zu tun. Denn niemand weiß, ob eine Geschäftsidee wirklich zündet. Das findet man nur in der Praxis heraus.
  • Beispiel Stress: Vor der Startphase sind alle Gründer euphorisch. Sie planen, entwerfen, arbeiten an ihrer Geschäftsidee. Aber am „Tag X“, wenn die Idee auf die Welt losgelassen wird, beginnt der „Tornado“. 100 Prozent Stress, arbeiten, hinterfragen ohne Ende. Mit einem ungewissen Ausgang. Jetzt zeigt sich, wer wirklich Durchhaltewillen hat.
  • Beispiel Anerkennung: Jeder Gründer will, dass seine Idee von den Kunden angenommen wird. Aber so ist es in der Realität leider nicht, sagt Gunter Dueck und zitiert Schopenhauer: „Jede neue Idee durchläuft drei Entwicklungsstufen: In der ersten wird sie belacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten ist sie selbstverständlich.“ Viele Gründer ertragen es nicht, jahrelang verlacht zu werden. Man braucht eben auch ein dickes Fell.
  • Beispiel Kunden: Es bringt nichts, seine Geschäftsidee nur seinen Freunden und Freundesfreunden vorzuführen. So bleibt man in seiner kleinen Blase. Überall Schulterklopfer, die einen nicht weiterbringen. Die entscheidende Frage ist: Kauft „da draußen“ auch Otto-Normal-Mensch das Produkt oder die Dienstleistung? Die Menschen sind gemütlich. Sie wollen, dass ein Produkt einfach funktioniert. Sie interessieren sich nicht dafür, wie viel Entwicklungsarbeit ein Gründer in seine Idee gesteckt hat.

In seinem Buch beschreibt Gunter Dueck, wie Innovationen in Unternehmen konsequent verhindert werden. Wie eine Krankheit, die vom Körper bekämpft wird. Viele Unternehmen haben Angst vor neuen Ideen, weil die Folgen unkalkulierbar sind. Vielleicht arbeitet man ein Jahr dran und es kommt nur Mist raus. Wer trägt dann die Verantwortung? Besser alles bleibt beim Alten. Da weiß man, woran man ist.

Wie die Unternehmen, so die Gesellschaft. Mein Eindruck ist: Existenzgründer werden hierzulande häufig belächelt, wenn nicht gar bemitleidenswert angeschaut. „Der hat’s nicht geschafft, einen festen Job zu bekommen“, denken manche dann. Siehe Schopenhauer.

Andere finden es unheimlich bis verwirrend, dass es tatsächlich Menschen gibt, die nicht mehr als Festangestellte arbeiten wollen. Weil sie eine gute Idee haben. Weil sie ihre Freiheit lieben und brauchen, um diese Idee umzusetzen. Deutschland kann mit seinen Gründern nicht viel anfangen, weil es Angst vor neuen Ideen hat.

Jeder Existenzgründer sollte schauen, dass er sich neu vernetzt. Dass man sich mit Menschen umgibt, die einen unterstützen und weiterbringen. Und wenn man sich umschaut, findet man viele Menschen, die längst ausgebrochen sind aus der Routine. Die zu neuen Ufern aufbrechen und sich darüber austauschen, sei es in Inkubatoren, in Betahäusern, auf Netzwerk-Veranstaltungen. Zum Beispiel am gestrigen Abend in Köln.

Weitere Infos:

Buchreport: Warum sind Innovationen ein Problem, Herr Dueck?

Nerdhub Podcast mit Gunter Dueck (am Donnerstag online) 

Gunter Dueck auf der Republica 2011: Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem

 

 

Veröffentlicht in: Gründung
26.02.2013

Warum Existenzgründer nicht nur Mut, sondern auch Durchhaltevermögen brauchen

Ein eigenes Café - der Traum unserer Gründerin © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Heute hat wieder das Telefon geklingelt. Eine Gründerin war am Apparat. Nennen wir sie Anne. Mit eiligen Worten erklärt sie ihre Situation. Fünf Minuten Gespräch – ein ganzes Berufsleben. Jetzt liegt die Riesenchance vor ihr. Sie will sich selbstständig machen. Und weil ihre Situation so typisch ist für tausende Existenzgründerinnen und Existenzgründer in Deutschland, schreiben wir über sie – ohne Anne beim wirklichen Namen zu nennen.

Seit Jahren arbeitet Anne in verschiedenen Cafés. Vom der Küche übers Kellnern bis zum Laden putzen – sie kennt den Job. Jetzt will ihr Chef den Laden abgeben, aus persönlichen Gründen, wie er sagt. Er bietet Anne an, das Café zu übernehmen. Für 20.000 Euro kann sie ihm das gesamte Inventar abkaufen. Aber sie hat keine 20.000 Euro.

Wie komme ich an einen Kredit?“, fragt sie am Telefon. „Mein Chef will das Café möglichst schnell abgeben. Ich brauche das Geld dringend.“

Fast alle Existenzgründer haben es eilig. Sie sehen eine Chance – und sie wollen diese Chance ergreifen. Ob es nun ein Café ist oder eine ganz andere Geschäftsidee. Das ist das Besondere an Existenzgründern: Während unzählige Menschen passiv in ihrer Situation verharren, packen sie es an. Sie besitzen Mut, ein Risiko einzugehen.

Das Problem beginnt, wenn der Mut in Waghalsigkeit abgleitet.

Wenn aus Begeisterung Verblendung wird.

Am Telefon merkt man das meistens daran, wie ein Gründer auf Kritik reagiert. Ein paar kritische Fragen sind zum Beispiel: 

  • Ist die Café-Einrichtung wirklich 20.000 Euro wert?
  • Wenn der Chef es eilig hat, stimmt dann etwas nicht mit dem Betrieb? Macht das Café also vielleicht zu wenig Umsatz, ist der Standort schlecht, gibt es bauliche Probleme?
  • Wenn Anne bereit ist, 20.000 Euro in die Hand zu nehmen, warum eröffnet sie nicht ein komplett neues Café?

Viele Gründer blenden solche Fragen aus. Sie spüren zwar unterbewusst, dass es wichtige Fragen sind. Aber sie wollen es nicht hören. Sie denken: „Da will mir jemand die Selbstständigkeit ausreden.“ Sie denken: „Noch so einer, der nur meckert anstatt mich zu unterstützen.“

Das Gegenteil ist der Fall.

Anne hat wie so viele Gründer einen Tunnelblick. Aus der angeblichen Dringlichkeit heraus vergisst sie kritisch nachzufragen und kühl durchzukalkulieren. Sie vertraut ihrem Chef. Aber wenn sie das Café übernommen hat, wird sie ihren Chef nie wieder sehen. Dann steht Anne alleine in der Verantwortung.

Es gibt viele Statistiken zum Thema Existenzgründung. Ein Fakt ist: Ein Drittel aller Gründungen scheitern. Und meistens, weil die Gründer schlecht geplant haben.

Wir führen keine Gründerberatung durch - dafür sind erfahrene Existenzgründerberater da, an die wir solche Anfragen weiterleiten. Gründerberater haben jahrelange Erfahrung in zahlreichen Branchen. Sie kennen den Markt, sie kennen die klassischen Startprobleme. Sie unterstützen die Gründer, indem sie ihnen bei der Planung helfen. Gründerberater stellen kritische Fragen. Aber sie zeigen zugleich Lösungswege.

Niemand bekommt „einfach so“ 20.000 Euro Gründerkredit. Dafür braucht man einen richtigen Businessplan. Einen Businessplan, der von der Geschäftsidee über Marktanalyse bis zum Marketing reicht. Das Geld ist nicht der Anfang. Erst am Ende der Planung weiß der Gründer, wie viel Geld er wirklich benötigt.

Jeder Gründer muss sich kritischen Fragen stellen. Das ist anstrengend. Und es bedeutet viel Arbeit. Dafür braucht man Durchhaltevermögen. Der Mut und die Begeisterung sind die Basis dafür, dass man am Ball bleibt. Eine Existenzgründung ist kein 100-Meter-Sprint, sondern ein Marathon. Wer das begreift, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Selbstständigkeit.

Veröffentlicht in: Versicherungen
14.02.2013

Versicherungen für Existenzgründer: „Ruhiger schlafen mit der passenden Absicherung"

Versicherungsmaklerin Karin Quintes berät seit vielen Jahren Gründerinnen und Gründer. Foto: K. Quintes.

Existenzgründer braucht Mut. Aber zum Erfolg gehört auch die passende Versicherung, sagt Karin Quintes. Sie ist seit 1989 als Versicherungsmaklerin in Rheinbach bei Bonn tätig und engagiert sich außerdem im Unternehmerinnen-Netzwerk Sie::Werk. Wir haben mit Karin Quintes darüber gesprochen, welche Versicherungen Gründerinnen und Gründer brauchen – und welche nicht. 

Sie beraten seit Jahren Existenzgründerinnen. Gründen Frauen anders als Männer?

Quintes: Mein Eindruck, den ich über die Jahre gewonnen habe, ist: Frauen sind in der Existenzgründungsphase deutlich zurückhaltender und vorsichtiger. Während Männer häufiger Status-Symbole brauchen wie ein großes Büro oder einen Firmenwagen, kalkulieren Frauen genau durch und sind eher bereit zu verzichten. Viele Frauen haben auch ein stärkeres Sicherheitsbedürfnis und informieren sich deswegen früh über Versicherungen. Männer glauben eher, Ihnen könne nichts passieren.

Viele Existenzgründer haben zu Beginn wenig finanziellen Spielraum. Auf der anderen Seite will man natürlich auch Sicherheiten. Welche Risiken sollte man unter anderem absichern?

Quintes: Ich frage meine Gründer meistens zu Beginn: Wer ernährt Sie, wenn Sie einmal schwer erkranken sollten? Die eigene Gesundheit ist das Kapital eines jeden Selbstständigen. Wenn man dauerhaft unfähig ist zu arbeiten, fällt man in ein existenzielles Loch. Dafür braucht man eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Also eine private Absicherung, wenn man keinen gesetzlichen Anspruch hat. Jeder Gründer sollte ausrechnen, wie viel Geld er für das alltägliche Leben braucht. Das ist die Summe, die man absichern muss.

"Sie müssen sich ja nicht sofort vollständig absichern. Aber einfach vor Schreck gar nichts machen? Das bringt auch nichts. Man kann klein anfangen."

Wenn man so vorgeht, kommt am Ende heraus, dass man 2.000 bis 3.000 Euro pro Monat zum Leben braucht. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die im „Schadensfall“ jeden Monat so viel Geld  überweist, kostet wirklich sehr viel...  Wie soll man das finanzieren? 

Quintes: Sie müssen sich ja nicht sofort vollständig absichern, wenn Sie es sich nicht leisten können! Aber deswegen vor Schreck gar nichts machen? Das bringt auch nichts. Man sollte klein anfangen und vielleicht erst einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, die 1.500 Euro pro Monat abdeckt. Dann hat man einen Anfang gemacht! Dieses pragmatische Vorgehen empfehle ich im Übrigen für alle Versicherungen.

Viele Gründer fragen sich auch, ob sie wirklich eine Betriebshaftpflicht oder eine Vermögensschadenshaftpflicht brauchen. Was sagen Sie dazu?

Quintes: Wissen Sie, ich hatte vor kurzem wieder Kontakt zu einer Gründerin, die ich vor sechs Jahren beraten habe. Damals konnte ich sie überzeugen, eine Betriebshaftpflicht abzuschließen. Obwohl sie immer gesagt hat: „Mir passiert doch nichts!“ Jetzt hatte ein findiger Rechtsanwalt im Internet eine fünf Jahre alte Arbeit von ihr gefunden, bei der sie einen Urheberrechtsverstoß begangen hat. Sie musste 10.000 Euro zahlen. Den Betrag hat die Versicherung übernommen. Sonst wäre sie vielleicht insolvent gegangen.

Auch das Thema Altersvorsorge verfolgt Existenzgründer. Sie können eine Rürup-Rente abschließen statt einer Riester-Rente, die für Festangestellte gedacht ist.

Quintes: Gerade bei der Altersvorsorge muss man genau hinschauen, ob genug Geld für eine Rürüp-Rente vorhanden ist,  oder ob andere Fördermöglichkeiten in Frage kommen. Das kommt auf den Bedarf des jeweiligen Kunden an. Sonst sparen Existenzgründer in der Anfangssphase am Besten flexibel. 

Sie sind schon seit vielen Jahren im Geschäft. Zum Abschluss des Interviews: Was macht für Sie eine gute Beratung aus?

Quintes: Wichtig ist, dass man keine 0-8-15-Lösung aus der Schublade holt, sondern sich die Situation jedes Gründers genau anschaut und den Bedarf ermittelt. Es geht auch nicht darum, auf Teufel komm raus alle möglichen Versicherungen abzuschließen. Sondern es geht darum, die Risiken zu kennen und sie Stück für Stück abzusichern. Wer sich solch ein Auffangnetz aufbaut, kann letzten Endes auch ruhiger schlafen.

Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es auch in unserem Kapitel "Versicherungen für Existenzgründer". Dort werden auch noch einmal alle Versicherungen einzelnd aufgeschlüsselt. Zum Unterschied zwischen Existenzgründerinnen und Existenzgründern ebenfalls interessant: Das Interview "Die Frauen holen sich, was ihnen zusteht."