„Ich bin glücklich, dass ich den Schritt gewagt habe“

Steffen Jülke hat sein eigenes Bestattungsunternehmen gegründet – und hat sich gut überlegt, wie er sich von der Konkurrenz absetzt. Im Rahmen des Gründercoachings Deutschland hat ihn die Gründerberaterin Angelika Franzke unterstützt. Wir sprachen mit beiden über ihre Erfahrungen.

 

Herr Jülke, warum haben Sie sich dazu entschieden, mit „Bestattungen Jülke“ den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen?

Jülke: Ich habe seit sieben Jahren in der Branche als Festangestellter eines Bestattungsunternehmens gearbeitet und der Beruf macht mir viel Freude. Aber zuletzt habe ich keine Perspektiven mehr in dem Unternehmen gesehen. Ich hatte sehr viele Aufgaben, und zum Schluss habe ich mir gedacht: Eigentlich kannst du das auch alleine machen.

 

Hatten Sie bereits vorher Erfahrungen mit dem freien Unternehmertum?

Jülke: Ich habe schon einmal mit Anfang 20 ein Unternehmen in der Gastronomie gegründet. Das hat aber damals nicht wirklich gut geklappt. Ich war noch jung, unerfahren und hatte die Kosten nicht im Blick. Schließlich hat jemand anderes das Geschäft übernommen. Damals habe ich mir eigentlich gesagt, dass ich nicht mehr selbstständig sein will. Aber die Zeiten ändern sich. Und heute bin ich sehr glücklich, dass ich den erneuten Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe.

Steffen Jülke mit Mitarbeiterin
Steffen Jülke mit Mitarbeiterin
Gründerberaterin Angelika Franzke
Gründerberaterin Angelika Franzke

Wie hat sich Ihre Erfahrung von damals auf Ihren Businessplan ausgewirkt?

Jülke: Ich habe gemeinsam mit Frau Franzke den Businessplan erstellt. Wir haben konservativ kalkuliert, also die Kosten eher höher gesetzt und die möglichen Einnahmen eher niedriger. Durch meine Berufserfahrung habe ich bereits viel Fachwissen. Ich kann gut kalkulieren, wie viel Umsatz man pro Sterbefall macht und welche Kosten entstehen.

 

Wie lief das Gespräch mit der Hausbank?

Jülke: Da habe ich leider keine guten Erfahrungen gemacht. Zunächst war die Bank begeistert von meinem Businessplan. Sie haben mir gesagt, dass ich den Kredit bekomme und jetzt schon kündigen kann. Anschließend habe ich lange nichts mehr gehört. Ich habe mehrmals nachgefragt, ohne eine Antwort zu bekommen. Nach 18 Wochen habe ich dann den Ablehnungsbescheid bekommen, warum weiß ich bis heute nicht. Zuerst war der Schock groß. Aber dann hat mir Frau Franzke eine andere Bank empfohlen. Dort war es dann kein Problem, den Kredit zu bekommen.

 

Erleben Sie dies häufiger in Existenzgründungsberatungen, Frau Franzke?

Franzke: Es gibt einige Banken, die sehr zurückhaltend sind, wenn es um den KfW-Gründerkredit gibt. Es ist für sie attraktiver, den Gründern einen eigenen Bankkredit zu verkaufen. Bei der zweiten Bank, zu der wir gegangen sind, hatte ich schon im Vorfeld gute Erfahrungen gemacht. Außerdem haben wir uns auch noch einmal intensiv auf das Bankgespräch vorbereitet.

 

Sollten Gründer so ein Bankgespräch alleine durchführen oder besser mit einem Gründerberater?

Franzke: Herr Jülke ist ein souveräner Mensch, der sich in seinem Metier sehr gut auskennt. Er hätte es also auch gut alleine geschafft. Trotzdem hat er sich dazu entschieden, dass ich beim Bankgespräch dabei bin. Wir Mecklenburger sind traditionell eher zurückhaltend. Wir stellen uns nicht hin und erzählen, dass wir die Besten sind. So hatte Herr Jülke eine Fürsprecherin neben sich sitzen. Ich konnte noch einmal bestimmte Qualifikationen hervorheben.

 

Herr Jülke, wie wichtig war es Ihnen, dass Sie während Ihrer Gründung eine Beraterin an der Seite hatten?

Jülke: Das war mir sehr wichtig. Natürlich trifft man am Ende die Entscheidungen selbst. Aber es ist gut, wenn man jemand an der Seite hat, der zwischen den ganzen Zahlen immer den Durchblick hat und sagt, wo man aufpassen muss und über welche Themen man verstärkt nachdenken sollte. Aktuell plane ich mein Unternehmen zu erweitern. Und auch da wird mich Frau Franzke wieder unterstützen.

 

Wie wichtig ist der Businessplan im Rahmen der Gründung, Frau Franzke?

Franzke: Jeder Businessplan muss sauber durchkalkuliert sein. Es bringt nichts Schönfärberei zu betreiben. Das erkennt jede Bank sofort. In diesem Fall hieß das unter anderem: Wie viele Sterbefälle gibt es im Monat in dieser Region? Mit wie vielen potenziellen Kunden kann man rechnen? Wie hoch sind die Personalkosten? Und zwar nicht nur grob, sondern die konkrete Stundenzahl, das Bruttogehalt mit Arbeitgeberanteilen usw. Das bedeutet viel Recherche, ist aber enorm wichtig.

 

Herr Jülke, Sie haben vor etwa eineinhalb Monaten Ihr Geschäft eröffnet. Können Sie bereits ein kleines Zwischenfazit Ihrer Gründung ziehen?

Jülke: Ich bin sehr zufrieden, wie es angelaufen ist. Wir haben zwar im ersten Monat noch nicht die Anzahl der kalkulierten Sterbefälle erreicht. Aber dafür haben wir viele Vorsorge-Unterlagen und Kostenangebote erstellt. In unserem ersten Monat hatten wir etwa so viel Anfragen wie andere Bestattungsunternehmen in einem halben Jahr.

 

Woran liegt das?

Jülke: Unser Bestattungsgeschäft ist großzügiger, heller, freundlicher als in der Branche üblich. Unsere Firmenfarbe ist orange und kein dunkles grau oder grün. Bei uns trauen sich die Menschen auch einfach mal so hineinzuschauen und nachzufragen – und nicht erst, wenn der Sterbefall eintritt. Außerdem schalten wir sehr gezielt Werbung und sprechen dort jede Woche ein anderes Thema an. Wie kondoliere ich richtig? Wie schreibe ich eine Traueranzeige? Welche Bestattungsmöglichkeiten gibt es? Die Menschen haben viele Fragen. Und wir beantworten sie ihnen gerne.

 

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

Angelika Franzke hat Ihren Sitz in Bützow in der Gründerregion Mecklenburg-Vorpommern.  

 

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