Die Existenzgründung im Handwerk

Der Businessplan im Handwerk

So weit die Fakten zum Handwerk allgemein. Worauf muss jeder Existenzgründer im Handwerk ganz praktisch achten? Im Gegensatz zu Freiberuflern oder im Dienstleistungsbereich müssen Handwerker investieren. Die Finanzplanung muss professionell gestaltet werden! Außerdem braucht man eine Strategie, wie man sich von der Konkurrenz absetzt und wie man als Gründer möglichst schnell neue Kunden gewinnt. All dies wird im Businessplan für eine Existenzgründung recherchiert und festgehalten.

Im Bereich Handwerk muss eine Vielzahl rechtlicher Gegebenheiten berücksichtigen. Gerade wenn man keine Meisterausbildung durchlaufen hat, sind diese Fragen genau zu klären, bevor man sich auf den Weg in die Ämter macht und von der Eintragung in die Handwerksrolle bis zur Gewerbeanmeldung alles in der richtigen Reihenfolge erledigt. Das gilt meistens auch für eine nebenberufliche Existenzgründung

Ein oftmals unterschätztes Gebiet bei einer Existenzgründung im Bereich Handwerk ist die Marketingstrategie. Gerade im Handwerk ist der Ruf eine nicht zu unterschätzende Größe und da sind alteingesessene Betriebe und Handwerksmeister den Neugründern einen großen Schritt voraus. Im Businessplan für eine Existenzgründung muss deshalb genau überlegt werden, durch welche Werbemaßnahmen die Kunden erreicht werden können und mit welchen besonderen Leistungen man sie vom eigenen Angebot überzeugen will.

  • Ein besonderer Service,
  • ein besonders günstiger Preis oder
  • eine ausgefallene Nische im handwerklichen Angebot einer Region

sind Themen über die man Kunden gewinnen kann. Dieses Angebot muss dann aber auch so kommuniziert werden, dass der potentielle Kunde es kennt. Für langfristigen Erfolg ist eine hohe Qualität der erbrachten Leistungen und neben dem handwerklichen auch kaufmännisches Geschick ausschlaggebend.

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Die Zulassungsvoraussetzungen

In den 41 zulassungspflichtigen Handwerksberufen ist zur Existenzgründung ein Meisterbrief notwendig. Für Gesellen mit Berufserfahrung gibt es die Möglichkeit, sich über die Anerkennung als "qualifizierter Geselle" unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausübungsberechtigung erteilen zu lassen. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die Einstellung eines Meisters als Technischer Betriebsleiter. Ob eine solche Konstruktion in Frage kommt muss im Businessplan für eine Existenzgründung im Bereich Handwerk sowohl unter rechtlichen wie auch unter menschlichen und natürlich finanziellen Gesichtspunkten genau untersucht werden.

Neben den 41 zulassungspflichtigen Handwerken gibt es aber auch 53 zulassungsfreie Handwerksberufe, sowie 57 handwerksähnliche Berufe. Für diese sind keine besonderen Zulassungsvoraussetzungen vorgeschrieben. Aber natürlich muss sich jeder Existenzgründer in seinem Businessplan genauestens Rechnung darüber ablegen, ob er eine ausreichende Qualifikation für die Ausübung einer solchen Tätigkeit besitzt.

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„Handwerker stehen vor großen Herausforderungen“

Jadranka Lux
Jadranka Lux

Jadranka Lux ist langjährige Unternehmensberaterin aus Sundern und hat bereits zahlreiche Existenzgründer aus dem Handwerk gecoacht. Sie sitzt im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Arnsberg im Bereich Marketing und unterrichtet an der Handwerkskammer zu Dortmund Marketing für angehende Meister. Wir haben mit ihr über die speziellen Probleme von Existenzgründern im Handwerk gesprochen.

Wer sich als Journalist selbstständig macht, fängt einfach an zu schreiben. Und wer sich im Handwerk selbstständig macht, der fängt einfach an zu arbeiten. Oder nicht?

Jadranka Lux: Nein, so einfach ist es leider nicht. Denn im Gegensatz zu vielen Freiberufler-Jobs ist das gesamte Handwerk „verkammert“. In den Handwerksrollen ist festgeschrieben, für welche Tätigkeiten man einen Meisterbrief braucht und für welche nicht. Leider ist das vielen Existenzgründern im Handwerk nicht klar. Eine Meisterausbildung kostet 10- bis 15.000 Euro. Das sind hohe Investitionskosten. Und das Geld haben viele eben nicht.

Man braucht also auf jeden Fall einen Meisterbrief. Sonst kann man es vergessen mit der Selbstständigkeit.

Lux: So ist es nun auch wieder nicht. Es kommt immer auf die spezifische Situation des Gründers an und darauf, welche Tätigkeiten er genau ausüben will. Für höherwertige Tätigkeiten, die in der Handwerksrolle A festgeschrieben sind, braucht man einen Meisterbrief. Für Tätigkeiten aus der Handwerksrolle B braucht man dagegen keinen Meisterbrief. Wenn man sich zum Beispiel als Maurergeselle zuerst einmal als Fliesenleger selbstständig machen will, kann man auch erst einmal Tätigkeiten ausüben, die in der Handwerksrolle B stehen. So schafft man zumindest den Einstieg.

Aber früher oder später muss der Meisterbrief her.

Lux: Auch das ist von der spezifischen Situation abhängig. Ich habe kürzlich einen Unternehmer beraten, der seine Kfz-Lehre vor vielen Jahren nicht beendet hat. Er hat danach einen Schrotthandel eröffnet und später eine Lackiererei dazugenommen. Hierfür hat er einen Meister eingestellt. Er selbst hat mehrere Jahrzehnte kaufmännische und praktische Erfahrung gesammelt. Über einen Ausnahme-Paragraph in der Handwerksrolle hat er nun mit 47 Jahren seinen Meister anerkannt bekommen.

Stichwort Marketing: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance."

Trotzdem muss man klar sagen: Der Meisterbrief ist ein Qualitätsmaßstab.

Lux: Absolut! In Deutschland erwarten die Kunden den Meisterbrief. Und wenn man im Ausland Urlaub macht und die schlecht verarbeiteten Fugen im Badezimmer sieht, wünscht man sich den deutschen Standard. Gleichzeitig strömen immer mehr günstige Anbieter aus ganz Europa nach Deutschland. Das führt zu einem Preisdruck in der Branche. Für das Handwerk ist das eine große Herausforderung.

Sie unterrichten auch angehende Meister im Marketing. Wie steht es um die Selbstdarstellung von Handwerkern?

Lux: Das ist ein großes Problem! Denn gerade wenn der Preisdruck zunimmt, muss man sich von seiner Konkurrenz abheben – und das funktioniert nur durch professionelles Marketing. Das fängt dabei an, welche Leistungen man konkret anbietet, bis dahin, wie man sich im Netz professionell darstellt. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Aber für Handwerker sind die Kunden oft belastend. Kunden haben viele Wünsche, viele Forderungen, und wollen wenig zahlen. Damit muss man umgehen können! Man braucht gute Argumente, um seine Leistungen und die entsprechenden Kosten zu begründen. Außerdem denken viele Handwerker, dass es reicht, wenn man mal den örtlichen Fußballverein unterstützt. Nichts gegen den Fußballverein – aber gutes Marketing beruht auf einem durchdachten Konzept und wird kontinuierlich mit einem festen Budget durchgeführt.

Können Sie ein positives Beispiel für gutes Marketing im Handwerk nennen?

Lux: Bei uns in der Nähe gibt es einen Gartenfachbetrieb. Beim Ruinenfest in Arnsberg hat sich der Betrieb einen historischen Steinweg vorgenommen. Die Mitarbeiter haben einen Teil des Steinwegs erneuert, also die Pflastersteine hochgedrückt, die Wurzeln entfernt und alles wieder gerade verlegt. Natürlich haben sie das aus eigener Tasche bezahlt. Die Besucher konnten live miterleben, wie gut sie arbeiten. Da nimmt man als interessierter Mensch gerne einen Flyer mit. Solche Aktionen bleiben in Erinnerung. In solchen Aktionen und Kategorien muss man denken, wenn man sein Marketing plant. Es lohnt sich, mit einem Coach ein Marketing-Konzept zu erarbeiten.

Was mich wirklich ärgert, ist, wenn Existenzgründer nicht alle Fördermittelmöglichkeiten ausgeschöpft haben."

Wie machen sich ihre Gründer im Handwerk, die von ihnen gecoacht werden?

Lux: Bei den meisten läuft es wirklich gut – wenn sie sich professionell vorbereitet haben. Was mich wirklich ärgert, ist, wenn ich Existenzgründern begegne, die nicht alle Fördermittelmöglichkeiten ausgeschöpft haben. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten und das muss man einfach nutzen! Das ist gutes Geld, das man schon auf dem Konto hat und das gerade in der Anfangszeit den finanziellen Druck verringert. Aber dafür muss man sich natürlich in der Förderlandschaft auskennen.

Grundsätzlich kann man sagen: Als einzelner Handwerker kann man sich auf dem Markt noch relativ leicht durchsetzen, weil man keine hohen Kosten hat. Dadurch kann man seine Leistungen günstiger anbieten. Kompliziert wird es, wenn man sich vergrößern will. Spätestens ab vier bis fünf Mitarbeitern muss man aus dem Tagesgeschäft raus und sich nur noch um Akquise und Organisation kümmern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Existenzgründung im Maschinen- und Anlagenbau

Handwerker auf der einen Seite, Ingenieure auf der anderen: Auch im Maschinenbau und Anlagenbau gibt es viele Existenzgründungen. Hier braucht es häufig hohe Anfangsinvestitionen. Neben Fragen zu Gründerkrediten geht es auch um Themen wie Wettbewerb, Innovation und Nachfolge. Lesen Sie mehr auf unserer Themenseite zur Existenzgründung im Maschinenbau und Anlagenbau.

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