Selbstständig im Handwerk: So starten Sie erfolgreich durch

Bäcker, Möbelrestauratorin, Fliesenleger: Nur drei Beispiele für Selbstständige im Handwerk. Es gibt über eine Millionen Handwerksbetriebe in Deutschland. Erfahren Sie hier, worauf es ankommt, wenn Sie im Handwerk gründen.  

So wie Nora Osler und Anne de Walmont. Die Bremer Restauratorinnen erzählen, wie sie den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen sind.

Viele Gründer im Handwerk suchen sich auch Unterstützung durch einen Gründungsberater. Die Beraterin Jadranka Lux erklärt im Interview, vor welchen Herausforderungen Handwerker stehen: Vom Meisterbrief über Finanzierung bis zu Fördermitteln. 

Gruenderinnen neben einem alten Stuhl
Das Handwerk ist nur männlich? Von wegen. Nora Osler und Anne de Walmont restaurieren Möbel. Hier sprechen die Bremer Gründerinnen über ihren Weg in die Selbstständigkeit. Foto: Stoffe auf Reisen

Die 3 großen Schritte auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Informieren

Muss ich mich in die Handwerksrolle eintragen lassen? Für welche Berufe besteht die Meisterpflicht? Welche Berufe sind zulassungsfrei? Welche Förderprogramme gibt es? Solche grundsätzlichen Fragen klärt jeder Gründer und jede Gründerin vorab - falls sie es nicht schon weiß. 

Vorbereiten

Sie bereiten sich konkret vor - und arbeiten an Ihrem Businessplan. Wie erstelle ich eine Marktanalyse und einen Finanzplan? Wie viel Geld brauche ich? In einem Geschäftskonzept - auch Businessplan genannt - fassen Sie alles zusammen, worauf es ankommt. Damit Sie einen klaren Plan haben.

Loslegen

Jetzt springen Sie ins kalte Wasser und legen los. Gleichzeitig müssen Sie noch viele weitere Dinge klären. Zum Beispiel die Frage, wie Sie Werbung für sich selbst machen - und so Kunden gewinnen. Ein Thema, das viele Handwerker nur ungern machen. Aber das sehr wichtig ist.


Gründungsberatung für Handwerker: Damit Sie weiterkommen

Businessplan, Kalkulation, Bankgespräche: In vielen kaufmännischen Fragen wissen Handwerker nicht weiter. Dadurch stecken Sie bei ihrem Sprung in die Selbstständigkeit fest. Hier helfen Gründungsberater. Sie sind erfahrene Kaufleute mit langjähriger Erfahrung und wissen, wie man sich bei der Bank oder gegen Wettbewerber durchsetzt.

In einem unverbindlichen Erstgespräch können Sie herausfinden, wie der Berater Ihnen helfen kann. Übrigens: Für eine Gründungsberatung gibt es Zuschüsse. So zahlen Sie deutlich weniger. Der Berater kann Sie hierzu gerne informieren. 

Ihre Anfrage zur Gründungsberatung
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Wobei kann Ihnen ein erfahrener Gründerberater helfen?*
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Existenzgründer Beratung

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Zwei große Knackpunkte: Handwerksrolle und Meisterpflicht

In die Handwerksrolle eintragen?

Besteht eine Zulassungspflicht in dem Handwerk, in dem Sie sich selbstständig machen möchten? Dann müssen Sie sich in die Handwerksrolle eintragen lassen. Eine Übersicht der zulassungspflichtigen Berufe finden Sie zum Beispiel hier

Für einen Eintrag in die Handwerksrolle müssen Sie Ihre Qualifikation nachweisen. In der Regel brauchen Sie oder Ihr Betriebsleiter einen Abschluss als Meister oder eine vergleichbare Qualifikation. Doch Ausnahmen sind möglich. Als Nachweis kann es ausreichen, Berufserfahrung zu belegen – oder dass Sie in einer leitenden Position gearbeitet haben. Wie sich die Eintragung ohne Meisterbrief außerdem begründen lässt, hat die Handwerkskammer Kassel hier in einer Übersicht aufgeführt.

Die Kosten für die Eintragung in die Handwerksrolle sind regional unterschiedlich. In der Regel liegen sie zwischen 50 und 200 Euro. Wenn Sie ein Unternehmen mit Betriebsleiter oder eine Personengesellschaft mit mehreren Teilhabern eintragen lassen, sind die Kosten höher. 

Ihre örtliche Handwerkskammer kann Ihnen Auskunft darüber geben, ob Sie zur Eintragung in die Handwerksrolle persönlich erscheinen müssen. Bei einigen Kammern ist die Eintragung mittlerweile auch digital möglich. Falls Sie vor Ort erscheinen müssen, kann die Handwerkskammer Ihnen sagen, welche Unterlagen Sie mitbringen sollten. 

Sobald Sie in der Handwerksrolle eingetragen sind, erhalten Sie eine Handwerkskarte. Mit dieser Karte können Sie beim Gewerbeamt Ihren Handwerksbetrieb anmelden. 

Für welche Berufe besteht die Meisterpflicht?

In 41 handwerklichen Berufen können Sie sich nur mit Meisterbrief selbstständig machen. Das sind Berufe, in denen es für andere gefährlich werden kann, wenn man sie unsachgemäß ausführt. Die Meisterpflicht soll das verhindern. In Ausnahmefällen gibt es in diesen Berufen auch die Möglichkeit, die Meisterpflicht zu umgehen. 

Wenn Sie einen Meister als Betriebsleiter beschäftigen, brauchen Sie selbst keinen Meisterbrief, um einen Betrieb zu gründen. Wenn Sie nachweisen können, dass Sie über das Wissen und die Fähigkeiten verfügen, die Sie in diesem Beruf benötigen, brauchen Sie ebenfalls keinen Meisterbrief. Dazu müssen Sie zwei Bedingungen erfüllen. 

a) Sie müssen sechs Jahre als Geselle in Ihrem Beruf gearbeitet haben, vier davon in leitender Position. 

b) Die Meisterprüfung muss für Sie eine unzumutbare Belastung darstellen. Ob das der Fall ist, entscheidet die für Sie zuständige Handwerkskammer nach Ermessen.  

In Berufen, die besondere Gefahren mit sich bringen, sind diese Ausnahmen nicht möglich. Das sind etwa Berufe wie Schornsteinfeger, Augenoptiker oder Zahntechniker.

In einem zulassungsfreien Handwerk können Sie sich auch ohne Meisterbrief selbstständig machen. Eine Übersicht der zulassungsfreien Handwerke finden Sie zum Beispiel hier.

Bitte informieren Sie sich auch noch einmal auf den Seiten Ihrer örtlichen Handwerkskammer und IHK. Es ändern sich immer wieder Gesetze. 


Förderprogramme für alle, die sich im Handwerk selbstständig machen wollen

Der Bund und die Länder fördern Existenzgründer im Handwerk auf unterschiedliche Weise. Wichtig ist, zu wissen, welche Art von Förderung Sie suchen. Es gibt zum Beispiel Investitionsförderungen, meist in Form von Darlehen, oder es gibt Förderungen für Beratungen. 

Wenn Sie auf der Suche nach einer Investitionsförderung sind, bieten sich vor allem zwei Programme an. Erstens: Der ERP-Gründerkredit – Startgeld der kfw. Diesen Kredit können Gründer in den ersten drei Jahren beantrangen. Die kfw fördert Investitionen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro mit bis zu 100 Prozent der Investitionssumme. Hier mehr zur KfW Gründerkrediten.

Zweitens: Mikrokreditfonds Deutschland. Dieses Förderprogramm ist für Gründer mit etwas geringerem Kapitalbedarf gedacht. Der Fonds fördert Investitionen im Umfang von bis zu 20.000 Euro. Eine Untergrenze gibt es nicht. Daher eignet die Förderung sich auch für sehr kleine Vorhaben. Hier mehr Infos.

Ja, ich will mit einem Gründerberater über Fördermittel sprechen

Zitatkasten
Mehr Motivation auf unserer Fanpage: https://www.facebook.com/existenzgruenderjungunternehmer

„Handwerker stehen vor großen Herausforderungen“

Jadranka Lux ist langjährige Unternehmensberaterin aus Sundern und hat bereits zahlreiche Existenzgründer und Selbstständige aus dem Handwerk gecoacht.

Sie sitzt im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Arnsberg im Bereich Marketing und unterrichtet an der Handwerkskammer zu Dortmund Marketing für angehende Meister. Wir haben mit ihr über die speziellen Herausforderungen für Gründer und Selbstständige im Handwerk gesprochen.

Gründerberaterin Jadranka Lux
Jadranka Lux

Wer sich als Journalist selbstständig macht, fängt einfach an zu schreiben. Und wer sich im Handwerk selbstständig macht, der fängt einfach an zu arbeiten. Oder nicht?

Jadranka Lux: Nein, so einfach ist es leider nicht. Denn im Gegensatz zu vielen Freiberufler-Jobs ist das gesamte Handwerk „verkammert“. In den Handwerksrollen ist festgeschrieben, für welche Tätigkeiten man einen Meisterbrief braucht und für welche nicht. Leider ist das vielen Existenzgründern im Handwerk nicht klar. Eine Meisterausbildung kostet 10- bis 15.000 Euro. Das sind hohe Investitionskosten. Und das Geld haben viele eben nicht.

Man braucht also auf jeden Fall einen Meisterbrief. Sonst kann man es vergessen mit der Selbstständigkeit.

Lux: So ist es nun auch wieder nicht. Es kommt immer auf die spezifische Situation des Gründers an und darauf, welche Tätigkeiten er genau ausüben will. Für höherwertige Tätigkeiten, die in der Handwerksrolle A festgeschrieben sind, braucht man einen Meisterbrief. Für Tätigkeiten aus der Handwerksrolle B braucht man dagegen keinen Meisterbrief. Wenn man sich zum Beispiel als Maurergeselle zuerst einmal als Fliesenleger selbstständig machen will, kann man auch erst einmal Tätigkeiten ausüben, die in der Handwerksrolle B stehen. So schafft man zumindest den Einstieg.

Aber früher oder später muss der Meisterbrief her. Es gibt doch die Meisterpflicht.

Lux: Auch das ist von der spezifischen Situation abhängig. Ich habe kürzlich einen Unternehmer beraten, der seine Kfz-Lehre vor vielen Jahren nicht beendet hat. Er hat danach einen Schrotthandel eröffnet und später eine Lackiererei dazugenommen. Hierfür hat er einen Meister eingestellt. Er selbst hat mehrere Jahrzehnte kaufmännische und praktische Erfahrung gesammelt. Über einen Ausnahme-Paragraph in der Handwerksrolle hat er nun mit 47 Jahren seinen Meister anerkannt bekommen.

Stichwort Marketing: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance."

Trotzdem muss man klar sagen: Der Meisterbrief ist ein Qualitätsmaßstab.

Lux: Absolut! In Deutschland erwarten die Kunden den Meisterbrief. Und wenn man im Ausland Urlaub macht und die schlecht verarbeiteten Fugen im Badezimmer sieht, wünscht man sich den deutschen Standard. Gleichzeitig strömen immer mehr günstige Anbieter aus ganz Europa nach Deutschland. Das führt zu einem Preisdruck in der Branche. Für das Handwerk ist das eine große Herausforderung.

Sie unterrichten auch angehende Meister im Marketing. Wie steht es um die Selbstdarstellung von Handwerkern?

Lux: Das ist ein großes Problem! Denn gerade wenn der Preisdruck zunimmt, muss man sich von seiner Konkurrenz abheben – und das funktioniert nur durch professionelles Marketing. Das fängt dabei an, welche Leistungen man konkret anbietet, bis dahin, wie man sich im Netz professionell darstellt. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Aber für Handwerker sind die Kunden oft belastend. Kunden haben viele Wünsche, viele Forderungen, und wollen wenig zahlen. Damit muss man umgehen können! Man braucht gute Argumente, um seine Leistungen und die entsprechenden Kosten zu begründen. Außerdem denken viele Handwerker, dass es reicht, wenn man mal den örtlichen Fußballverein unterstützt. Nichts gegen den Fußballverein – aber gutes Marketing beruht auf einem durchdachten Konzept und wird kontinuierlich mit einem festen Budget durchgeführt.

Können Sie ein positives Beispiel für gutes Marketing im Handwerk nennen?

Lux: Bei uns in der Nähe gibt es einen Gartenfachbetrieb. Beim Ruinenfest in Arnsberg hat sich das Handwerksunternehmen einen historischen Steinweg vorgenommen. Die Mitarbeiter haben einen Teil des Steinwegs erneuert, also die Pflastersteine hochgedrückt, die Wurzeln entfernt und alles wieder gerade verlegt. Natürlich haben sie das aus eigener Tasche bezahlt. Die Besucher konnten live miterleben, wie gut sie arbeiten. Da nimmt man als interessierter Mensch gerne einen Flyer mit. Solche Aktionen bleiben in Erinnerung. In solchen Aktionen und Kategorien muss man denken, wenn man sein Marketing plant. 

Was mich wirklich ärgert, ist, wenn Existenzgründer nicht alle Fördermittelmöglichkeiten ausgeschöpft haben."

Wie machen sich ihre Gründer im Handwerk, die von ihnen gecoacht werden?

Lux: Bei den meisten läuft es wirklich gut – wenn sie sich professionell vorbereitet haben. Was mich wirklich ärgert, ist, wenn ich Selbstständigen begegne, die nicht alle Fördermittelmöglichkeiten ausgeschöpft haben. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten und das muss man einfach nutzen! Das ist gutes Geld, das man schon auf dem Konto hat und das gerade in der Anfangszeit den finanziellen Druck verringert. Aber dafür muss man sich natürlich in der Förderlandschaft auskennen.

Grundsätzlich kann man sagen: Als einzelner Handwerker kann man sich auf dem Markt noch relativ leicht durchsetzen, weil man keine hohen Kosten hat. Dadurch kann man seine Leistungen günstiger anbieten. Kompliziert wird es, wenn man sich vergrößern will. Spätestens ab vier bis fünf Angestellten muss man aus dem Tagesgeschäft raus und sich nur noch um Akquise und Organisation kümmern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ich möchte mit einem Gründerberater sprechen


Der Businessplan im Handwerk: Drei Bausteine, die wichtig sind

Kalkulation

Im Handwerk arbeiten Sie sehr häufig auf Stundensatz-Basis. Der Finanzplan ist damit das A und O. Wie lange benötigen Sie für einen Auftrag? Dafür gehen Sie einen umgekehrten Weg: Sie berechnen Ihre privaten und beruflichen Kosten. Dann rechnen Sie aus, wie viele Stunden Sie realistisch pro Woche und Monat arbeiten können - abzüglich Bürotätigkeiten, Urlaub etc. Im dritten Schritt rechnen Sie aus, wie viel Euro Sie benötigen, um Ihre Kosten zu decken. Vergessen Sie nicht die Steuern und einen Gewinn einzuplanen. Gehen Sie nicht zu günstig in den Markt!

Werbung im Handwerk

Viele alteingesessene Handwerksbetriebe leben häufig von Stammkundschaft und persönlichen Empfehlungen. Doch als Gründer haben Sie es schwer. Denn Gründern fehlt es an einer Stammkundschaft. Also brauchen Sie einen systematischen Ansatz, um neue Kunden zu gewinnen. Hier hilft ein Marketing-Konzept. Zwei grundsätzliche Möglichkeiten haben Sie: Sie werben online für sich (etwa über eine eigene Website und Online-Marketing) oder offline (etwa über Flyer). Hier erfahren Sie mehr über Kundengewinnung.  

Schriftliches Konzept

Für viele Handwerker ist es ein Graus: Aber für ein Bankgespräch oder Fördermittel benötigen Sie einen fertigen Businessplan. Also ein schriftliches Konzept, in dem Sie beschreiben, wie Sie sich selbstständig machen, mit welchen Leistungen, wie Sie alles kalkulieren und wie Sie Kunden gewinnen wollen. Auf dieser Basis entscheidet die Bank oder Fördermittelgeber, ob Sie Zuschüsse oder einen Gründerkredit erhalten. Erfahren Sie hier, wie Sie einen Businessplan schreiben, inklusive Checklisten und vieles mehr.

Businessplan schreiben: Diese 7 Punkte gehören rein

1. Geben Sie einen Überblick

Fassen Sie Ihre Geschäftsidee kurz und verständlich zusammen, um einen ersten Eindruck zu vermitteln. So weiß der Leser Ihres Businessplans, was ihn erwartet. Beginnen Sie dann mit einer detaillierten Erklärung.

2. Stellen Sie die Gründer vor

Beschreiben Sie Ihre beruflichen Qualifikationen, Ihre Erfahrungen und machen Sie deutlich, warum Sie der oder die Richtige sind, um die Idee umzusetzen. 

3. Beschreiben Sie Ihr Angebot

Erklären Sie, welche Dienstleistungen oder Produkte Sie anbieten möchten – am besten so, dass man sofort versteht, wo Ihre Stärken liegen und was Ihre Alleinstellungsmerkmale sind. Fehlen Ihnen noch Lizenzen, Genehmigungen oder Patente? Auch das kann eine wichtige Information sein. 

4. Erklären Sie Ihren Betrieb

Stellen Sie dar, wie Ihr Betrieb organisiert ist. Für welche Rechtsform haben Sie sich entschieden? Wollen Sie Mitarbeiter einstellen? Wenn ja, wie viele? Welche Qualifikationen müssen diese mitbringen? Auch das ist wichtig, um sich ein Bild davon zu machen, wie realistisch Ihre Pläne sind. 

5. Skizzieren Sie den Markt

Eine gute Idee kann noch interessanter erscheinen, wenn das Umfeld günstig ist. Wie ist der Markt beschaffen, auf dem Sie Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung anbieten möchten? Stellen Sie die Eckdaten möglichst klar und übersichtlich dar (siehe nächste Frage: Marktanalyse)

6. Umreißen Sie Ihre Strategie

Der Erfolg eines Produktes hängt stark von Preis und von Ihrer Bekanntheit ab. Daher beschreiben Sie, mit welcher Preisstruktur Sie planen und mit welcher Art von Werbung Sie auf sich aufmerksam machen wollen. Das ist wichtig, um Ihre Erfolgsaussichten besser einschätzen zu können. 

7. Schätzen Sie die Risiken ab

Schauen Sie in die Zukunft. Bewerten Sie selbst die Chancen und Risiken Ihres Vorhabens. Wenn Sie überzeugend die Chancen darstellen, können Sie einen guten Eindruck noch verstärken. Die Beschreibung der Risiken gibt Ihnen die Chance, deutlich zu machen, dass Sie sich intensiv mit der Planung beschäftigt haben, dass Sie gut vorbereitet sind, und dass Sie in der Lage sind, im Falle von Schwierigkeiten Lösungen zu erarbeiten. 


2 Themen, mit denen sich jeder Handwerker schwer tut

Unternehmensform

Zwei Drittel aller Gründer im Handwerk entscheiden sich für die Rechtsform des Einzelunternehmens. Wenn Sie ein Einzelunternehmen gründen, können Sie steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen, die Anforderungen an die Buchhaltung sind nicht so hoch, und Sie brauchen kein Haftungsvermögen. Allerdings haften Sie im Falle einer Insolvenz mit Ihrem Privatvermögen. 

Wenn Sie eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)gründen, haften Sie nicht mit Ihrem Privatvermögen. In diesem Fall müssen Sie jedoch 25.000 Euro Gründungskapital einbringen. Diese Rechtsform wählt etwa jeder fünfte Handwerksbetrieb. 

Eine weitere Möglichkeit ist die Gründung als Personengesellschaft (GbR, OHG oder KG). Sie entsteht, wenn sich mindestens zwei Unternehmer zusammenschließen. Ein Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben, der bürokratische Aufwand ist gering. Allerdings haften die Gesellschafter auch hier mit ihrem Privatvermögen. 

Marktanalyse im Handwerk

Die Marktanalyse ist Teil des Businessplans. In ihr beschreiben Sie: das Angebot:Was genau wollen Sie anbieten? Welche Alleinstellungsmerkmale haben Sie? Den Zielmarkt: Für wen ist Ihr Angebot interessant? Wie viel Umsatz wird auf diesem Markt gemacht? Haben Sie schon Kunden? Die Wettbewerbssituation: Wer sind Ihre Konkurrenten? Mit welcher Marktposition können Sie rechnen? Das Marktpotenzial: Wie hat sich Ihr Zielmarkt in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie wird die Entwicklung voraussichtlich weitergehen?

Die Daten für Ihre Marktanalyse können Sie selbst erheben. Dazu können Sie zum Beispiel Gespräche mit Branchenexperten führen. Einfacher und kostengünstiger ist es jedoch, auf vorhandene Daten zurückzugreifen. Diese finden Sie zum Beispiel in Branchenberichten, auf den Seiten vom Statistischen Bundesamt, in Fachmagazinen oder bei der für Sie zuständigen Handwerkskammer

Auf unserer Themenseite zur Marktanalyse finden Sie alle Informationen, die Sie brauchen, um eine Marktanalyse zu erstellen. Dort erklären wir Ihnen auch in einem Video, wie Sie dabei am besten vorgehen.


Sprung in die Selbstständigkeit: „Dinge anders machen als der Chef“

Nora Osler und Anne de Walmont restaurieren und bauen hochwertige Möbel. Im Interview sprechen die beiden Gründerinnen über ihre Liebe zum Handwerk, warum sie sich für die Selbstständigkeit entschieden haben - und wie ihre Familien reagiert haben. Hier geht's zu Ihrer Facebook-Seite "Stoffe auf Reisen".

Frau Osler, Sie haben erst studiert und dann eine Ausbildung gemacht. Warum haben Sie sich für das Handwerk entschieden?

Weil meine Arbeit da eindeutigere Ergebnisse hat und ich mich ausleben kann. Das ist bei der geistigen Arbeit ja nicht unbedingt der Fall. Ich hätte nach dem Studium an der Uni bleiben können. Aber das hat mich nicht gereizt. Mich hat die geistige Arbeit nicht befriedigt, schon gar nicht im wissenschaftlichen Betrieb. 

Selbstständig im Handwerk: Nora Osler und Anne de Walmont. Foto: Stoffe auf Reisen

Wie haben Sie das hinbekommen, nach dem Studium noch mal ganz von vorn anfangen zu können?

Mit viel Überlegung, Mut, und Willensstärke. 

Wie haben Ihre Freunde und Ihre Familie reagiert?

Viele waren schon sehr kritisch und haben sich Sorgen gemacht. Die haben eben gedacht: Ist doch schade, wenn das alles jetzt zu nichts nütze war. 

Aber das hat Sie nicht umgestimmt?

Nein, ich habe mir gesagt: Ich nehme mir jetzt ein Jahr und versuche, verschiedene Praktika zu machen. Und wenn ich nach einem Jahr feststelle, dass das nichts war, kann ich ja immer noch zurück.

Das mussten Sie dann aber nicht. 

Nein, ich habe zwei Praktika gemacht, und direkt beim zweiten hat man mir nach einer Woche einen Ausbildungspatz angeboten. 

Wie klar waren Ihre Vorstellungen von dem, was Sie machen wollten?

Mir war die Richtung klar. Dass es dann so schnell geklappt hat, war auch ein bisschen Zufall. Ich habe mich immer für Möbel interessiert, bin auch gern auf Flohmärkte gegangen, hab immer mit alten Möbeln geliebäugelt. Also, so was hat mir schon immer gefallen. 

Sie haben dann eine Ausbildung zur Raumausstatterin gemacht und in diesem Beruf sechs Jahre lang gearbeitet. Auf Dauer war das aber auch nicht das, was Sie sich vorgestellt hatten?

Doch, der Beruf schon. Das war das, was ich machen wollte. Aber man sammelt ja schnell Berufserfahrung. Man merkt, dass man selbst eine Haltung zu Dingen entwickelt – und dass man auch eine Meinung hat. Und dann möchte man Dinge vielleicht auch anders machen als der Chef. Daraus hat sich dann bei mir der Wunsch entwickelt, mich selbstständig zu machen. 

Hat Ihnen Ihr Studium dabei geholfen?

Auf jeden Fall. Sagen wir mal so: Es hätte vielleicht nicht so lange dauern müssen, aber was ich da mitgenommen habe, ist sicherlich, dass man danach etwas anders auf die Welt blickt. 

Inwiefern?

Man lernt, dass man ein selbstständiger Mensch ist, der sich Informationen selber zusammensuchen kann, der sich selbst vertrauen kann – der einen Text lesen kann und ihn versteht. Und wenn er ihn nicht versteht, kann er recherchieren und weiß, wie er was finden kann. Auf der anderen Seite war es aber auch einfach das Rechnerische. Ich hatte viel Statistik und Mathe im Unterricht. Mir hat der finanzielle Teil der Selbstständigkeit also keine Angst gemacht. 

Zwei Selbstständige mit Auszeichnung

Nora Osler hat erst Biologie studiert und sich nach dem Studium für eine handwerkliche Ausbildung zur Raumausstatterin entschieden. Anne de Walmont ist einen ganz ähnlichen Weg gegangen. Sie hat Musikwissenschaften und Skandinavistik studiert und im Anschluss eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin absolviert. 

2017 haben die beiden sich in dem Handwerkskollektiv „Stoffe auf Reisen“ zusammengetan. In ihrer Werkstatt im Bremer Stadtteil Findorff restaurieren und bauen sie hochwertige Möbel. Zu ihrem Konzept gehört auch, das sie Reste verwerten und aus ihnen Accessoires herstellen. Im November 2018 gewann Nora Osler und Anne de Walmont den Preis für Innovatives Handwerk der Sparkasse Bremen und der Handwerkskammer Bremen in der Kategorie „Gründung“. 

Und das hat Ihnen die Sicherheit gegeben, zu sagen: Ich bau jetzt was Eigenes auf? 

Sich zu sagen: Ich kann das schaffen. Ob man das dann wirklich schafft, weiß man natürlich nicht. Aber ich hatte auf jeden Fall das Selbstvertrauen, es zu versuchen. 

Wie sind Sie dann vorgegangen? Haben Sie einen genauen Plan gemacht? Oder haben Sie gedacht: Ich probiere erst mal das aus, was funktioniert?

Das war eine Mischung aus beidem. Im Prinzip mache ich ja das, was ich gelernt habe. Aber dann hat vieles sich auch einfach ergeben. Ich habe eine Werkstatt gesucht. Auf dem Weg hab ich verschiedene Menschen getroffen, mit denen ich mir jetzt eben die Werkstatträume teile – unter anderem eben mit Anne. 

Wie hat sich das ergeben?

Mir war eigentlich schon immer klar, dass ich nicht allein in einem Keller sitzen möchte, sondern dass ich auch gern Austausch hätte. Mit Anne hatte ich die Räume zusammen. Da sieht man jeden Tag, was die andere macht. Eine hat eine Idee, der anderen fällt etwas ein, das dazu passt. Und dann haben wir irgendwann gesagt: Lass uns doch mehr zusammen machen. 

Sie haben dann ein Handwerkskollektiv gegründet. Was bedeutet das genau?

Das ist eigentlich nur der Oberbegriff, weil wir ja im Grunde nur beide unsere Werkstatt haben. „Kollektiv“ sollte eben bedeuten, dass wir das, was wir machen, verbinden.

Beschreiben Sie doch mal, was Sie machen. 

Wir restaurieren zum Beispiel Möbel. Ich bearbeite das Holz und das Polster, Anne webt die Stoffe dazu. Außerdem ist es uns ein Anliegen, möglichst wenig zu verschwenden und wegzuwerfen. Also nutzen wir Ressourcen möglichst vielfältig und manchmal zweckentfremdet. Reste von Materialen kommen nicht einfach in die Tonne, sondern werden aufbewahrt. Daraus entstehen auch Wohn- und Bekleidungsaccessoires

Wer sind Ihre Kunden?

Das sind meistens Privatleute, die schöne und handwerklich gut gemachte Produkte schätzen. 

Wie finden die zu Ihnen?

Vor allem über Mundpropaganda – und über Empfehlungen von Kunden.

Auch über das Internet?

Ich glaube, die meisten unserer Kunden würden keine Möbel im Internet kaufen, ohne sie vorher gesehen und vielleicht auf ihnen gesessen zu haben. Wir machen ja etwas sehr Haptisches. Man möchte ein Möbelstück anfassen, bevor man es kauft. 

Haben Sie für Ihre Zusammenarbeit eine Firma gegründet?

Nein, nein. Das machen wir aus unserer eigenen Selbstständigkeit heraus. 

Und wie haben Sie die finanziert? 

Mit unserem eigenen Geld. So viel brauchten wir auch nicht. Was die Maschinen angeht, da haben wir beide schon lang drauf hingearbeitet. Das heißt, wir hatten schon vieles, so dass die Werkstatt im Prinzip am ersten Tag ausgestattet war. Wir mussten uns also kein Geld leihen. 

Wie regeln Sie das Finanzielle untereinander?

Wir rechnen das nach Aufwand ab. Manchmal teilen wir die Einnahmen, aber wenn einer zwei Stunden daran arbeitet und der andere zehn, dann regeln wir das natürlich anders. 

Sie bauen und restaurieren nicht nur Möbel. Sie verwerten auch die Reste. Was stellen Sie daraus her?

Im Prinzip alles Mögliche. Bekleidungsaccessoires, Kissenhüllen, Gürteltaschen, Ohrring-Bretter. Dieses Anliegen, nichts zu verschwenden, hatten wir beide. Und irgendwann ist uns das aufgefallen. Das machen wir auch privat. Ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich denke: Ich würd gern was aus rotem Samt machen. Und dann muss ich den Stoff nicht kaufen, sondern weiß, in welcher Kiste noch ein Rest liegt. 

Wo verkaufen Sie diese Dinge?

Auf Handwerksmärkten. Wir haben auch einen kleinen Werkstattraum, aber auch da läuft viel über Mundpropaganda. 

Ihr Beruf hat ja viel mit Begeisterung zu tun. Sie haben sich dafür entschieden, weil sie die Arbeit gern machen. Viele junge Menschen lassen sich vom Handwerk nicht so leicht begeistern. Woran liegt das?

Das ist zum einen natürlich ein Bezahlungsproblem. In diesen Berufen verdient man nicht viel. Und das ist sicherlich auch ein gesellschaftliches Problem, weil das Handwerk nicht viel Anerkennung bekommt. Zum anderen liegt es aber sich auch daran, dass man nicht in allen handwerklichen Berufen so viel gestalterischen Spielraum hat, wie wir ihn haben. Und auch das Ausbildungssystem spielt sicher eine Rolle. 

Wo liegt da das Problem?

Da geht es um Leistung, um Tests – darum, die Prüfungen zu bestehen. Die Schulen sind unterversorgt, schlecht besetzt, mit alten Lehrkräften, die Dienst nach Vorschrift machen. So habe ich das jedenfalls erlebt. 

Wie war das für Sie, nach dem Studium noch mal in die Berufsschule zu gehen?

Ehrlich gesagt schrecklich. Aber das lag nicht so sehr daran, dass das Niveau so niedrig war. Das ist ja vollkommen okay. Die meisten kommen ja direkt von der Schule. Mich hat eher gestört, dass die Lehrer so wenig flexibel waren. 

Wo hätten Sie sich mehr Flexibilität gewünscht?

Ich war nicht die Einzige, die mehr gekonnt hätte. Aber da wurden keine Unterschiede gemacht. Es wurde dann trotzdem x-mal der Dreisatz wiederholt. Dass man das auch anders machen kann, war da einfach noch nicht angekommen. 

Inzwischen arbeiten Sie selbst schon einige Jahre in ihrem Beruf. Sie sind erfahren. Wenn Sie zurückschauen, welchen Tipp hätten Sie für jemanden, der gerade erst am Anfang steht? 

Na ja, Dinge umzusetzen, wenn man Lust drauf hat. Im Prinzip muss man ja vor nichts so viel Angst haben. 


Unternehmensnachfolge im Handwerk: Viele Betriebe suchen einen Nachfolger

Handwerksfirma kaufen

Maler, Dachdecker, KfZ Werkstatt: In vielen Handwerksbereichen stehen Nachfolgen an. Oft steht ein langjähriger Mitarbeiter bereit, die Firma zu kaufen bzw. zu übernehmen. Hierfür müssen eine Reihe von Dingen geklärt werden: Wie viel ist der Handwerksbetrieb wert? Wie finanziert der Nachfolger die Übernahme? Wie bleiben Kundenstamm und Mitarbeiter erhalten? Ein Firmenkauf zieht sich meistens über ein Jahr oder auch länger hin. Hier erfahren Sie, wie Sie einen Handwerksbetrieb erfolgreich übernehmen.

Das eigene Unternehmen abgeben

Die andere Perspektive: Viele Handwerksbetriebe sind seit Jahrzehnten erfolgreich geführt worden. Von erfahrenen Chefs, die ihre Firma durch alle Höhen und Tiefen durchgesteuert haben. Aber irgendwann stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Häufig haben ältere Unternehmer irgendwann gesundheitliche Probleme oder schaffen das Arbeitspensum einfach nicht. Viele wollen auch, dass Ihr Handwerksbetrieb noch viele weitere Jahre erhalten bleibt. Erfahren Sie hier, wie Sie Ihren Handwerksbetrieb erfolgreich verkaufen