Selbstständig im Handwerk: So starten Sie erfolgreich durch

Bäcker, Möbelrestauratorin, Fliesenleger: Nur drei Beispiele für Selbstständige im Handwerk. Es gibt über eine Millionen Handwerksbetriebe in Deutschland. Erfahren Sie hier, worauf es ankommt, wenn Sie im Handwerk gründen.  

So wie Nora Osler und Anne de Walmont. Die Bremer Restauratorinnen erzählen, wie sie den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen sind.

Viele Gründer im Handwerk suchen sich auch Unterstützung durch einen Gründungsberater. Die Beraterin Jadranka Lux erklärt im Interview, vor welchen Herausforderungen Handwerker stehen: Vom Meisterbrief über Finanzierung bis zu Fördermitteln. 

Gruenderinnen neben einem alten Stuhl
Das Handwerk ist nur männlich? Von wegen. Nora Osler und Anne de Walmont restaurieren Möbel. Hier sprechen die Bremer Gründerinnen über ihren Weg in die Selbstständigkeit. Foto: Stoffe auf Reisen

Sprung in die Selbstständigkeit: „Dinge anders machen als der Chef“

Nora Osler und Anne de Walmont restaurieren und bauen hochwertige Möbel. Im Interview sprechen die beiden Gründerinnen über ihre Liebe zum Handwerk, warum sie sich für die Selbstständigkeit entschieden haben - und wie ihre Familien reagiert haben. Hier geht's zu Ihrer Facebook-Seite "Stoffe auf Reisen".

Frau Osler, Sie haben erst studiert und dann eine Ausbildung gemacht. Warum haben Sie sich für das Handwerk entschieden?

Weil meine Arbeit da eindeutigere Ergebnisse hat und ich mich ausleben kann. Das ist bei der geistigen Arbeit ja nicht unbedingt der Fall. Ich hätte nach dem Studium an der Uni bleiben können. Aber das hat mich nicht gereizt. Mich hat die geistige Arbeit nicht befriedigt, schon gar nicht im wissenschaftlichen Betrieb. 

Selbstständig im Handwerk: Nora Osler und Anne de Walmont. Foto: Stoffe auf Reisen

Wie haben Sie das hinbekommen, nach dem Studium noch mal ganz von vorn anfangen zu können?

Mit viel Überlegung, Mut, und Willensstärke. 

Wie haben Ihre Freunde und Ihre Familie reagiert?

Viele waren schon sehr kritisch und haben sich Sorgen gemacht. Die haben eben gedacht: Ist doch schade, wenn das alles jetzt zu nichts nütze war. 

Aber das hat Sie nicht umgestimmt?

Nein, ich habe mir gesagt: Ich nehme mir jetzt ein Jahr und versuche, verschiedene Praktika zu machen. Und wenn ich nach einem Jahr feststelle, dass das nichts war, kann ich ja immer noch zurück.

Das mussten Sie dann aber nicht. 

Nein, ich habe zwei Praktika gemacht, und direkt beim zweiten hat man mir nach einer Woche einen Ausbildungspatz angeboten. 

Wie klar waren Ihre Vorstellungen von dem, was Sie machen wollten?

Mir war die Richtung klar. Dass es dann so schnell geklappt hat, war auch ein bisschen Zufall. Ich habe mich immer für Möbel interessiert, bin auch gern auf Flohmärkte gegangen, hab immer mit alten Möbeln geliebäugelt. Also, so was hat mir schon immer gefallen. 

Sie haben dann eine Ausbildung zur Raumausstatterin gemacht und in diesem Beruf sechs Jahre lang gearbeitet. Auf Dauer war das aber auch nicht das, was Sie sich vorgestellt hatten?

Doch, der Beruf schon. Das war das, was ich machen wollte. Aber man sammelt ja schnell Berufserfahrung. Man merkt, dass man selbst eine Haltung zu Dingen entwickelt – und dass man auch eine Meinung hat. Und dann möchte man Dinge vielleicht auch anders machen als der Chef. Daraus hat sich dann bei mir der Wunsch entwickelt, mich selbstständig zu machen. 

Hat Ihnen Ihr Studium dabei geholfen?

Auf jeden Fall. Sagen wir mal so: Es hätte vielleicht nicht so lange dauern müssen, aber was ich da mitgenommen habe, ist sicherlich, dass man danach etwas anders auf die Welt blickt. 

Inwiefern?

Man lernt, dass man ein selbstständiger Mensch ist, der sich Informationen selber zusammensuchen kann, der sich selbst vertrauen kann – der einen Text lesen kann und ihn versteht. Und wenn er ihn nicht versteht, kann er recherchieren und weiß, wie er was finden kann. Auf der anderen Seite war es aber auch einfach das Rechnerische. Ich hatte viel Statistik und Mathe im Unterricht. Mir hat der finanzielle Teil der Selbstständigkeit also keine Angst gemacht. 

Zwei Selbstständige mit Auszeichnung

Nora Osler hat erst Biologie studiert und sich nach dem Studium für eine handwerkliche Ausbildung zur Raumausstatterin entschieden. Anne de Walmont ist einen ganz ähnlichen Weg gegangen. Sie hat Musikwissenschaften und Skandinavistik studiert und im Anschluss eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin absolviert. 

2017 haben die beiden sich in dem Handwerkskollektiv „Stoffe auf Reisen“ zusammengetan. In ihrer Werkstatt im Bremer Stadtteil Findorff restaurieren und bauen sie hochwertige Möbel. Zu ihrem Konzept gehört auch, das sie Reste verwerten und aus ihnen Accessoires herstellen. Im November 2018 gewann Nora Osler und Anne de Walmont den Preis für Innovatives Handwerk der Sparkasse Bremen und der Handwerkskammer Bremen in der Kategorie „Gründung“. 

Und das hat Ihnen die Sicherheit gegeben, zu sagen: Ich bau jetzt was Eigenes auf? 

Sich zu sagen: Ich kann das schaffen. Ob man das dann wirklich schafft, weiß man natürlich nicht. Aber ich hatte auf jeden Fall das Selbstvertrauen, es zu versuchen. 

Wie sind Sie dann vorgegangen? Haben Sie einen genauen Plan gemacht? Oder haben Sie gedacht: Ich probiere erst mal das aus, was funktioniert?

Das war eine Mischung aus beidem. Im Prinzip mache ich ja das, was ich gelernt habe. Aber dann hat vieles sich auch einfach ergeben. Ich habe eine Werkstatt gesucht. Auf dem Weg hab ich verschiedene Menschen getroffen, mit denen ich mir jetzt eben die Werkstatträume teile – unter anderem eben mit Anne. 

Wie hat sich das ergeben?

Mir war eigentlich schon immer klar, dass ich nicht allein in einem Keller sitzen möchte, sondern dass ich auch gern Austausch hätte. Mit Anne hatte ich die Räume zusammen. Da sieht man jeden Tag, was die andere macht. Eine hat eine Idee, der anderen fällt etwas ein, das dazu passt. Und dann haben wir irgendwann gesagt: Lass uns doch mehr zusammen machen. 

Sie haben dann ein Handwerkskollektiv gegründet. Was bedeutet das genau?

Das ist eigentlich nur der Oberbegriff, weil wir ja im Grunde nur beide unsere Werkstatt haben. „Kollektiv“ sollte eben bedeuten, dass wir das, was wir machen, verbinden.

Beschreiben Sie doch mal, was Sie machen. 

Wir restaurieren zum Beispiel Möbel. Ich bearbeite das Holz und das Polster, Anne webt die Stoffe dazu. Außerdem ist es uns ein Anliegen, möglichst wenig zu verschwenden und wegzuwerfen. Also nutzen wir Ressourcen möglichst vielfältig und manchmal zweckentfremdet. Reste von Materialen kommen nicht einfach in die Tonne, sondern werden aufbewahrt. Daraus entstehen auch Wohn- und Bekleidungsaccessoires

Wer sind Ihre Kunden?

Das sind meistens Privatleute, die schöne und handwerklich gut gemachte Produkte schätzen. 

Wie finden die zu Ihnen?

Vor allem über Mundpropaganda – und über Empfehlungen von Kunden.

Auch über das Internet?

Ich glaube, die meisten unserer Kunden würden keine Möbel im Internet kaufen, ohne sie vorher gesehen und vielleicht auf ihnen gesessen zu haben. Wir machen ja etwas sehr Haptisches. Man möchte ein Möbelstück anfassen, bevor man es kauft. 

Haben Sie für Ihre Zusammenarbeit eine Firma gegründet?

Nein, nein. Das machen wir aus unserer eigenen Selbstständigkeit heraus. 

Und wie haben Sie die finanziert? 

Mit unserem eigenen Geld. So viel brauchten wir auch nicht. Was die Maschinen angeht, da haben wir beide schon lang drauf hingearbeitet. Das heißt, wir hatten schon vieles, so dass die Werkstatt im Prinzip am ersten Tag ausgestattet war. Wir mussten uns also kein Geld leihen. 

Wie regeln Sie das Finanzielle untereinander?

Wir rechnen das nach Aufwand ab. Manchmal teilen wir die Einnahmen, aber wenn einer zwei Stunden daran arbeitet und der andere zehn, dann regeln wir das natürlich anders. 

Sie bauen und restaurieren nicht nur Möbel. Sie verwerten auch die Reste. Was stellen Sie daraus her?

Im Prinzip alles Mögliche. Bekleidungsaccessoires, Kissenhüllen, Gürteltaschen, Ohrring-Bretter. Dieses Anliegen, nichts zu verschwenden, hatten wir beide. Und irgendwann ist uns das aufgefallen. Das machen wir auch privat. Ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich denke: Ich würd gern was aus rotem Samt machen. Und dann muss ich den Stoff nicht kaufen, sondern weiß, in welcher Kiste noch ein Rest liegt. 

Wo verkaufen Sie diese Dinge?

Auf Handwerksmärkten. Wir haben auch einen kleinen Werkstattraum, aber auch da läuft viel über Mundpropaganda. 

Ihr Beruf hat ja viel mit Begeisterung zu tun. Sie haben sich dafür entschieden, weil sie die Arbeit gern machen. Viele junge Menschen lassen sich vom Handwerk nicht so leicht begeistern. Woran liegt das?

Das ist zum einen natürlich ein Bezahlungsproblem. In diesen Berufen verdient man nicht viel. Und das ist sicherlich auch ein gesellschaftliches Problem, weil das Handwerk nicht viel Anerkennung bekommt. Zum anderen liegt es aber sich auch daran, dass man nicht in allen handwerklichen Berufen so viel gestalterischen Spielraum hat, wie wir ihn haben. Und auch das Ausbildungssystem spielt sicher eine Rolle. 

Wo liegt da das Problem?

Da geht es um Leistung, um Tests – darum, die Prüfungen zu bestehen. Die Schulen sind unterversorgt, schlecht besetzt, mit alten Lehrkräften, die Dienst nach Vorschrift machen. So habe ich das jedenfalls erlebt. 

Wie war das für Sie, nach dem Studium noch mal in die Berufsschule zu gehen?

Ehrlich gesagt schrecklich. Aber das lag nicht so sehr daran, dass das Niveau so niedrig war. Das ist ja vollkommen okay. Die meisten kommen ja direkt von der Schule. Mich hat eher gestört, dass die Lehrer so wenig flexibel waren. 

Wo hätten Sie sich mehr Flexibilität gewünscht?

Ich war nicht die Einzige, die mehr gekonnt hätte. Aber da wurden keine Unterschiede gemacht. Es wurde dann trotzdem x-mal der Dreisatz wiederholt. Dass man das auch anders machen kann, war da einfach noch nicht angekommen. 

Inzwischen arbeiten Sie selbst schon einige Jahre in ihrem Beruf. Sie sind erfahren. Wenn Sie zurückschauen, welchen Tipp hätten Sie für jemanden, der gerade erst am Anfang steht? 

Na ja, Dinge umzusetzen, wenn man Lust drauf hat. Im Prinzip muss man ja vor nichts so viel Angst haben. 


Der Businessplan im Handwerk: Drei Bausteine, die wichtig sind

Kalkulation

Im Handwerk arbeiten Sie sehr häufig auf Stundensatz-Basis. Der Finanzplan ist damit das A und O. Wie lange benötigen Sie für einen Auftrag? Dafür gehen Sie einen umgekehrten Weg: Sie berechnen Ihre privaten und beruflichen Kosten. Dann rechnen Sie aus, wie viele Stunden Sie realistisch pro Woche und Monat arbeiten können - abzüglich Bürotätigkeiten, Urlaub etc. Im dritten Schritt rechnen Sie aus, wie viel Euro Sie benötigen, um Ihre Kosten zu decken. Vergessen Sie nicht die Steuern und einen Gewinn einzuplanen. Gehen Sie nicht zu günstig in den Markt!

Werbung im Handwerk

Viele alteingesessene Handwerksbetriebe leben häufig von Stammkundschaft und persönlichen Empfehlungen. Doch als Gründer haben Sie es schwer. Denn Gründern fehlt es an einer Stammkundschaft. Also brauchen Sie einen systematischen Ansatz, um neue Kunden zu gewinnen. Hier hilft ein Marketing-Konzept. Zwei grundsätzliche Möglichkeiten haben Sie: Sie werben online für sich (etwa über eine eigene Website und Online-Marketing) oder offline (etwa über Flyer). Hier erfahren Sie mehr über Kundengewinnung.  

Schriftliches Konzept

Für viele Handwerker ist es ein Graus: Aber für ein Bankgespräch oder Fördermittel benötigen Sie einen fertigen Businessplan. Also ein schriftliches Konzept, in dem Sie beschreiben, wie Sie sich selbstständig machen, mit welchen Leistungen, wie Sie alles kalkulieren und wie Sie Kunden gewinnen wollen. Auf dieser Basis entscheidet die Bank oder Fördermittelgeber, ob Sie Zuschüsse oder einen Gründerkredit erhalten. Erfahren Sie hier, wie Sie einen Businessplan schreiben, inklusive Checklisten und vieles mehr.


Gründungsberatung für Handwerker: Damit Sie weiterkommen

Businessplan, Kalkulation, Bankgespräche: In vielen kaufmännischen Fragen wissen Handwerker nicht weiter. Dadurch stecken Sie bei ihrem Sprung in die Selbstständigkeit fest. Hier helfen Gründungsberater. Sie sind erfahrene Kaufleute mit langjähriger Erfahrung und wissen, wie man sich bei der Bank oder gegen Wettbewerber durchsetzt.

In einem unverbindlichen Erstgespräch können Sie herausfinden, wie der Berater Ihnen helfen kann. Übrigens: Für eine Gründungsberatung gibt es Zuschüsse. So zahlen Sie deutlich weniger. Der Berater kann Sie hierzu gerne informieren. 

Ihre Anfrage zur Gründungsberatung
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Wobei kann Ihnen ein erfahrener Gründerberater helfen?*
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Existenzgründer Beratung

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„Handwerker stehen vor großen Herausforderungen“

Jadranka Lux ist langjährige Unternehmensberaterin aus Sundern und hat bereits zahlreiche Existenzgründer und Selbstständige aus dem Handwerk gecoacht.

Sie sitzt im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Arnsberg im Bereich Marketing und unterrichtet an der Handwerkskammer zu Dortmund Marketing für angehende Meister. Wir haben mit ihr über die speziellen Herausforderungen für Gründer und Selbstständige im Handwerk gesprochen.

Gründerberaterin Jadranka Lux
Jadranka Lux

Wer sich als Journalist selbstständig macht, fängt einfach an zu schreiben. Und wer sich im Handwerk selbstständig macht, der fängt einfach an zu arbeiten. Oder nicht?

Jadranka Lux: Nein, so einfach ist es leider nicht. Denn im Gegensatz zu vielen Freiberufler-Jobs ist das gesamte Handwerk „verkammert“. In den Handwerksrollen ist festgeschrieben, für welche Tätigkeiten man einen Meisterbrief braucht und für welche nicht. Leider ist das vielen Existenzgründern im Handwerk nicht klar. Eine Meisterausbildung kostet 10- bis 15.000 Euro. Das sind hohe Investitionskosten. Und das Geld haben viele eben nicht.

Man braucht also auf jeden Fall einen Meisterbrief. Sonst kann man es vergessen mit der Selbstständigkeit.

Lux: So ist es nun auch wieder nicht. Es kommt immer auf die spezifische Situation des Gründers an und darauf, welche Tätigkeiten er genau ausüben will. Für höherwertige Tätigkeiten, die in der Handwerksrolle A festgeschrieben sind, braucht man einen Meisterbrief. Für Tätigkeiten aus der Handwerksrolle B braucht man dagegen keinen Meisterbrief. Wenn man sich zum Beispiel als Maurergeselle zuerst einmal als Fliesenleger selbstständig machen will, kann man auch erst einmal Tätigkeiten ausüben, die in der Handwerksrolle B stehen. So schafft man zumindest den Einstieg.

Aber früher oder später muss der Meisterbrief her. Es gibt doch die Meisterpflicht.

Lux: Auch das ist von der spezifischen Situation abhängig. Ich habe kürzlich einen Unternehmer beraten, der seine Kfz-Lehre vor vielen Jahren nicht beendet hat. Er hat danach einen Schrotthandel eröffnet und später eine Lackiererei dazugenommen. Hierfür hat er einen Meister eingestellt. Er selbst hat mehrere Jahrzehnte kaufmännische und praktische Erfahrung gesammelt. Über einen Ausnahme-Paragraph in der Handwerksrolle hat er nun mit 47 Jahren seinen Meister anerkannt bekommen.

Stichwort Marketing: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance."

Trotzdem muss man klar sagen: Der Meisterbrief ist ein Qualitätsmaßstab.

Lux: Absolut! In Deutschland erwarten die Kunden den Meisterbrief. Und wenn man im Ausland Urlaub macht und die schlecht verarbeiteten Fugen im Badezimmer sieht, wünscht man sich den deutschen Standard. Gleichzeitig strömen immer mehr günstige Anbieter aus ganz Europa nach Deutschland. Das führt zu einem Preisdruck in der Branche. Für das Handwerk ist das eine große Herausforderung.

Sie unterrichten auch angehende Meister im Marketing. Wie steht es um die Selbstdarstellung von Handwerkern?

Lux: Das ist ein großes Problem! Denn gerade wenn der Preisdruck zunimmt, muss man sich von seiner Konkurrenz abheben – und das funktioniert nur durch professionelles Marketing. Das fängt dabei an, welche Leistungen man konkret anbietet, bis dahin, wie man sich im Netz professionell darstellt. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Aber für Handwerker sind die Kunden oft belastend. Kunden haben viele Wünsche, viele Forderungen, und wollen wenig zahlen. Damit muss man umgehen können! Man braucht gute Argumente, um seine Leistungen und die entsprechenden Kosten zu begründen. Außerdem denken viele Handwerker, dass es reicht, wenn man mal den örtlichen Fußballverein unterstützt. Nichts gegen den Fußballverein – aber gutes Marketing beruht auf einem durchdachten Konzept und wird kontinuierlich mit einem festen Budget durchgeführt.

Können Sie ein positives Beispiel für gutes Marketing im Handwerk nennen?

Lux: Bei uns in der Nähe gibt es einen Gartenfachbetrieb. Beim Ruinenfest in Arnsberg hat sich das Handwerksunternehmen einen historischen Steinweg vorgenommen. Die Mitarbeiter haben einen Teil des Steinwegs erneuert, also die Pflastersteine hochgedrückt, die Wurzeln entfernt und alles wieder gerade verlegt. Natürlich haben sie das aus eigener Tasche bezahlt. Die Besucher konnten live miterleben, wie gut sie arbeiten. Da nimmt man als interessierter Mensch gerne einen Flyer mit. Solche Aktionen bleiben in Erinnerung. In solchen Aktionen und Kategorien muss man denken, wenn man sein Marketing plant. 

Was mich wirklich ärgert, ist, wenn Existenzgründer nicht alle Fördermittelmöglichkeiten ausgeschöpft haben."

Wie machen sich ihre Gründer im Handwerk, die von ihnen gecoacht werden?

Lux: Bei den meisten läuft es wirklich gut – wenn sie sich professionell vorbereitet haben. Was mich wirklich ärgert, ist, wenn ich Selbstständigen begegne, die nicht alle Fördermittelmöglichkeiten ausgeschöpft haben. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten und das muss man einfach nutzen! Das ist gutes Geld, das man schon auf dem Konto hat und das gerade in der Anfangszeit den finanziellen Druck verringert. Aber dafür muss man sich natürlich in der Förderlandschaft auskennen.

Grundsätzlich kann man sagen: Als einzelner Handwerker kann man sich auf dem Markt noch relativ leicht durchsetzen, weil man keine hohen Kosten hat. Dadurch kann man seine Leistungen günstiger anbieten. Kompliziert wird es, wenn man sich vergrößern will. Spätestens ab vier bis fünf Angestellten muss man aus dem Tagesgeschäft raus und sich nur noch um Akquise und Organisation kümmern.

Vielen Dank für das Gespräch!


Unternehmensnachfolge im Handwerk: Viele Betriebe suchen einen Nachfolger

Handwerksfirma kaufen

Maler, Dachdecker, KfZ Werkstatt: In vielen Handwerksbereichen stehen Nachfolgen an. Oft steht ein langjähriger Mitarbeiter bereit, die Firma zu kaufen bzw. zu übernehmen. Hierfür müssen eine Reihe von Dingen geklärt werden: Wie viel ist der Handwerksbetrieb wert? Wie finanziert der Nachfolger die Übernahme? Wie bleiben Kundenstamm und Mitarbeiter erhalten? Ein Firmenkauf zieht sich meistens über ein Jahr oder auch länger hin. Hier erfahren Sie, wie Sie einen Handwerksbetrieb erfolgreich übernehmen.

Das eigene Unternehmen abgeben

Die andere Perspektive: Viele Handwerksbetriebe sind seit Jahrzehnten erfolgreich geführt worden. Von erfahrenen Chefs, die ihre Firma durch alle Höhen und Tiefen durchgesteuert haben. Aber irgendwann stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Häufig haben ältere Unternehmer irgendwann gesundheitliche Probleme oder schaffen das Arbeitspensum einfach nicht. Viele wollen auch, dass Ihr Handwerksbetrieb noch viele weitere Jahre erhalten bleibt. Erfahren Sie hier, wie Sie Ihren Handwerksbetrieb erfolgreich verkaufen


Die Zulassungsvoraussetzungen

In den 41 zulassungspflichtigen Handwerksberufen ist zur Existenzgründung ein Meisterbrief notwendig. Für Gesellen mit Berufserfahrung gibt es die Möglichkeit, sich über die Anerkennung als "qualifizierter Geselle" unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausübungsberechtigung erteilen zu lassen. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die Einstellung eines Meisters als Technischer Betriebsleiter. Ob eine solche Konstruktion in Frage kommt muss im Businessplan für eine Existenzgründung im Bereich Handwerk sowohl unter rechtlichen wie auch unter menschlichen und natürlich finanziellen Gesichtspunkten genau untersucht werden.

Neben den 41 zulassungspflichtigen Handwerken gibt es aber auch 53 zulassungsfreie Handwerksberufe, sowie 57 handwerksähnliche Berufe. Für diese sind keine besonderen Zulassungsvoraussetzungen vorgeschrieben. Aber natürlich muss sich jeder Existenzgründer in seinem Businessplan genauestens Rechnung darüber ablegen, ob er eine ausreichende Qualifikation für die Ausübung einer solchen Tätigkeit besitzt.

(Alle Angaben ohne Gewähr)